We meet in Strasbourg oder: “Pack die Kuhglocke ein, Baby!”

“Festival les nuits électroniques de l’Ososphere“, so der verheißungsvoll anmutende Name von Frankreichs größtem Festival für elektronische Musik. Angekündigt haben sich neben unzähligen anderen Acts und DJs auch Hot Chip, Radio 4 und die Meister der Kuhglocke persönlich: The Rapture. Da ließ ich mich natürlich nicht zweimal bitten und trat die Reise über die nicht allzu ferne Grenze an.

La Laiterie

Die Straßen rund um den Konzertsaal “La Laiterie” in Strasbourg waren weiträumig abgesperrt und so verwandelte sich der ganze Bezirk einen schicken Festivalpark. Hier konnte man zwischen den einzelnen Bühnen, Clubs und Galerien pendeln, stets begleitet von Lichtern, Video-Installationen und sphärischer Hintergrundmusik. Arty! Leider waren die klimatischen Bedingungen eher suboptimal, so dass der Flair des ganzen ein wenig zu kurz kam, doch da die “meine” Bands alle im selben Gebäude spielten waren Laufwege und schlechtes Wetter ohnehin eher nebensächlich.

Gerade angekommen machte ich zunächst Bekanntschaft – wenn auch unfreiwillig – mit der französischen Gastfreundschaft. Denn scheinbar war der Herr am Essensstand ebenso wenig mit dem vorherrschenden Bon-System vertraut wie ich, so dass die landestypischen Pommes Frites direkt mal aufs Haus gingen. So konnte es weiter gehen! Doch am Merchandise-Stand erfuhr die erste Euphorie sogleich einen herben Dämpfer, denn zur Kompensation des mehr als stolzen Preises von 30 Euro für das Tour-Shirt von The Rapture hätte ich schon verdammt viel kostenloses Essen bekommen müssen in nächster Zeit…

Naja, kaum Zeit für lange Hasstiraden auf die kommerzielle Ausschlachtung guter Musik, denn der Beginn des ersten Konzerts rückte näher. Hot Chip, die Retro-Synthie-Pop-Nerds (Schubladen, anyone?) von der Insel standen auf dem Programm. Nachdem jedes noch so auflagenschwache Musik- slash Popkultur- slash Lifestylemagazin mit Lobeshymnen ob deren zweiten Longplayers “The Warning” nicht gegeizt hatte, war ich etwas überrascht über das nicht allzu zahlreich vorhandene Publikum, wenngleich ein Auftritt kurz nach 20 Uhr auch wahrlich etwas früh ist. Die selbst ernannten Bedroom Neptunes zeigten jedoch, dass Live eben doch nicht immer so klingen muss wie auf Platte und gaben mächtig Gas. Das sorgte für gute Stimmung und die Festivalbesucher dankten es ihnen mit stetig ansteigender Zuschauerdichte im Saal. Definitiv ein gelungener Auftakt!

Nach kurzer Verschnaufpause und einem frisch gezapften Heineken (das gab’s dann nicht umsonst) ging es in den kleinen Club zu Radio 4. Dieser war bereits recht gut gefüllt und die Herren aus New York City schienen auch keine Gefangenen machen zu wollen und starteten direkt zu Beginn mit “Enemies like this” voll durch. Danach durften wir uns noch an “Calling all enthusiasts” erfreuen doch dann hieß es leider bereit wieder Abschied nehmen, denn dummerweise war der Gig ihrer Kollegen aus der Heimat fast zur gleichen Zeit angesetzt. Schade…

Wenige Minuten später war es dann auch schon soweit. Die Stellung in der ersten Reihe war bezogen, die Kuhglocke in Sichtweite und meine Beine waren in Tanzlaune. Und es begann. I need you love. Von Null auf Hundert. Hinein in den Rapture-Rausch. Der Sound war stellenweise leider ziemlich schlecht, was der Stimmung jedoch keinen Abbruch tat. Die Menge war begeistert, Körper in Bewegung. Die ausgewogene Mixtur aus alten und neuen Stücken wusste zu gefallen und nach den letzten Klängen des abschließenden “Olio” wurde ziemlich schnell der Entschluss gefasst, den letzten Europa-Gig in Amsterdam zu besuchen. Und um den Kreis zu schließen, schenkte mir ein netter Roadie nebst der Setlist dann auch noch eine übrig gebliebene Wasserflasche. In diesem Sinne: Whoo! Alright – Yeah…Uh Huh.

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Holla at cha boy!

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