Casino Royale (2006)

Casino Royale

„Mein Name ist Craig. Daniel Craig. Ich bin heute Abend Ihr Bond.“ Und dabei macht er in der Tat eine ziemliche gute Figur. Wieso es dennoch nicht für eine bessere Wertung gereicht hat, sei im Folgenden erklärt.

Wenn ein James Bond auf die Frage „geschüttelt oder gerührt“ den Kellner nur forsch mit „Sehe ich aus, als ob mich das interessiert?“ anschnauzt kommen sie alle hervor gekrochen, die „Sakrileg!“-, „Tabubruch!“- und „Demontage einer Kultfigur!“-Schreier. Ich hingegen sage „Danke!“. Denn nach 20 Filmen wurde es doch wirklich einmal Zeit, sich – zumindest teilweise – von alten Gepflogenheiten zu verabschieden und der Bond-Franchise ein neues Gesicht zu verpassen.

Womit wir auch schon bei einem weiteren Streitpunkt wären, dem Hauptdarsteller. Dessen Gesicht passte nämlich im Vorfeld vielen nicht. „Zu untalentiert, zu hässlich, zu unbekannt, zu blond, …“ – die Liste der Kritikpunkte an Daniel Craig schien endlos. Ich für meinen Teil sehe ihn als nahezu Optimalbesetzung. Weg vom aristokratischen Schleim Charmebolzen Brosnan und hin zu jemandem, dem ein eleganter Spagat zwischen Rauhbein und Dressman gelingt. Man darf auch nicht vergessen, dass der Film schließlich ein Prequel zur bisherigen Bond-Saga darstellt, da wäre ein übersmarter Mr. Mich-bringt-nichts-aus-der-Fassung-denn-ich-kann-alles nun wahrlich fehl am Platz.

Doch nun zu den Schattenseiten von Casino Royale. Müsste ich das große Manko, den Plot, mit nur drei Worten beschreiben, so wären das (zu) langatmig, (zu) vorhersehbar und (zu) unspektakulär. Dabei fängt es doch so vielversprechend an. Wenn James in den ersten fünfzehn Minuten einen Bombenleger im Parcous-Style verfolgt und dabei eine Baustelle und eine Botschaft größere Schäden nehmen, ist das schon verdammt lässig anzuschauen. Doch dieses vorgelegte rasante Tempo vermag der Film leider nicht lange aufrecht zu erhalten. Und so fragte ich mich im Mittelteil des Öfteren, ob ich nicht vielleicht doch gerade bei Superstars of Poker auf DSF gelandet war.

Im Anschluss läuft alles sehr schablonenhaft ab, was nicht unbedingt schlecht sein muss (und für einen Bond keineswegs untypisch ist), doch in diesem Fall irgendwie nicht so recht ins Gesamtbild der „Wiedergeburt des 007“ passen will. Ich möchte an dieser Stelle nicht zu viel verraten, jedoch sei noch der obligatorische finale Showdown erwähnt, welcher doch sehr – Vokabel Nr. 3 – unspektakulär ausgefallen ist. Unterm Strich ist Casino Royale ein solider Agententhriller, der auch ohne Hightech-Gadgets als klarer Punktsieger aus dem Vergleich mit Mission: Impossible III hervorgeht. Keine Offenbarung, jedoch ein Schritt in die richtige Richtung. Ich wage die Prognose, dass uns mit Daniel Craig in der Rolle des Mannes mit der Lizenz zum Töten und einem besseren Drehbuch noch der ein oder andere Bond-Klassiker bevorsteht. Bis dahin gibt’s von mir 6/10 Punkten.

Nachtrag: Der 21te Bond drückt übrigens den Schnitt. Während James in der Regel pro Film drei Frauen küsst und mit zweien von ihnen ins Bett steigt, beschränkt er sich beim Küssen diesmal auf zwei und beim Vernaschen sogar auf eine einzige. Aber er ist ja auch erst frischgebackener Doppelnullagent, das wird schon noch!

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