Babel (2006)

Babel

Und der Herr sprach: Siehe, es ist einerlei Volk und einerlei Sprache unter ihnen allen, und dies ist der Anfang ihres Tuns; nun wird ihnen nichts mehr verwehrt werden können von allem, was sie sich vorgenommen haben zu tun. Wohlauf, lasst uns herniederfahren und dort ihre Sprache verwirren, dass keiner des andern Sprache verstehe! So zerstreute sie der Herr von dort in alle Länder, dass sie aufhören mussten, die Stadt zu bauen. Daher heißt ihr Name Babel, weil der Herr daselbst verwirrt hat aller Länder Sprache und sie von dort zerstreut hat in alle Länder. (1. Mose 11, 1-9)

Vermutlich ist es bei einem Ensemblefilm nicht einfach, einen richtig aufregenden Trailer anzufertigen. Auch im Falle von Babel hauten mich die knapp 2 1/2 Minuten Preview nicht unbedingt vom Hocker, doch bereits der Name des Regisseurs reichte aus, um es auf meine Liste der kommenden Must-See-Movies zu schaffen. Schließlich zeichnet sich der wehrte Alejandro González Iñárritu mit Amores perros und 21 Gramm verantwortlich für zwei absolute Geniestreiche auf diesem Gebiet. Zum Abschluss seine Trilogie schraubt er den Qualitätslevel sogar noch einmal um einige Zentimeter nach oben und setzt somit neue Genremaßstäbe.

Der Handlung des Films liegt dabei das altbekannte Prinzip von Schmetterling und Wirbelsturm zu Grunde: Zwei marokkanische Jungen schießen beim Ziegenhüten statt auf Kojoten unbesonnen auf einen Reisebus und verletzten so eine amerikanische Touristin. Dies zieht eine Reihe weltumspannender Ereignisse nach sich, die in vier unterschiedlichen Episoden erzählt werden. Hierbei kommt das biblische Motiv des Turmbaus zu Babel zum Tragen, denn Sprachbarrieren, kulturelle Unterschiede und politische Spannungen scheinen oftmals eine unüberwindbare Kluft darzustellen. Missverständnisse, Vorurteile und Konflikte sind das unweigerliche Resultat.

Würde man die Story auf gewöhnliche Art und Weise erzählen, sie wäre wohl nicht besonders unterhaltsam, zumindest nicht ausreichend, um einen Film mit Überlänge mit ihr zu speisen. Doch durch den ständigen Wechsel durch die einzelnen Geschichten kommt zu keiner Zeit Langeweile auf. In Verbindung mit der eindringlichen Bilderflut und dem stets passenden, nie aufdringlichen Score entsteht ein dichtes Geflecht menschlicher Dramen, das unter die Haut gehen und sicherlich noch lange nachwirkt. Die zahlreichen Laiendarsteller fügen sich nahtlos in das Ensemble ein und agieren neben namhaften Stars wie Brad Pitt und Cate Blanchett, als wäre es das Alltäglichste der Welt, verleihen Babel zusätzlich Authentizität. Einer der besten Filme 2006!

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2 Kommentare

  1. stephanie 29. Januar 2007

    ..ich stimme dir absolut zu mit deiner aussage über babel..
    obwohl mich die szenen aus marokko nicht ganz überzeugt haben..
    aber die szenen aus japan fand ich besonders eindrücksvoll!! Klasse film!

  2. matze 29. Januar 2007

    freut mich dass es doch leute gibt, denen der film auch gefallen hat 🙂

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