Up all night

Wo das Razorlight Konzert im Heidelberger Karlstorbahnhof nun schon fast zwei Wochen zurückliegt, habe ich mich endlich mal aufgerafft meinen kleinen Bericht anzufertigen. Karten gab es bereits Wochen vorher keine mehr, ausverkaufte Hütte also. Dies mag verwundern, wenn man bedenkt, dass der Erstling der englisch-schwedischen Combo aus dem Jahre 2004 hierzulande kaum Beachtung fand. Und überhaupt hatten Razorlight ihren allerersten Auftritt auf deutschem Boden erst im Rahmen der letztjährigen British Music Week in Berlin.

Razorlight

Dann kam im Sommer 2006 das neue, selbstbetitelte Album: Äußerst radiotauglich und mit ordentlich Hype im Gepäck. So dauerte es nicht allzu lange, bis man Johnny Borrells Stimme unvermeidlich von allen Sendern über „America“ singen hörte, und dank großspurigen Auftretens standesgemäßer Rockstar-Attitüde und Posterboy-Look fand er auch schnell Einzug in Boulevardpresse und Mädchenherzen. Wie ich mir den überwiegenden Teil des Publikums ausmalte, brauche ich daher wohl nicht eingehender zu erwähnen.

Nach nervenaufreibender Parkplatzsuche hatte die Vorband namens Karpatenhund bereits angefangen, was uns allerdings nicht weiter störte. Zwar weiß Gott nicht schlecht, nur, nun ja… belanglose Mädchenmusik eben. Das ganze blieb mir letzten Endes nur wegen der bezaubernden Frontfrau Claire im Gedächtnis. Als jene dann aber den Hauptact ankündigte und dem geifernden Mob erwartungsfrohen Publikum einen halbnackten Johnny Borell in Aussicht stellte, wurde ich jäh aus meinen erotischen Phantasien Gedanken gerissen. Punkte und Streifen, Zöpfe und Haarreife gerieten schlagartig in absolute Verzückung – sprich es kam zu fanatischem Gekreische.

Vom Auftritt ansich gibt es gar nicht so viel zu erzählen. Mr. Borrell kam stilsicher ganz in weiß auf die Bühne, entledigte sich aber wie versprochen befürchtet sehr schnell des V-Ausschnitt-Leibchens. Aufgrund seiner nicht abzustreitenden Entertainer Qualitäten mutete das ganze sehr wie eine One-Man-Show an, wodurch der Rest der Band eher austauschbar wirkte. Lediglich der Drummer hat Erinnerungswert, da er ununterbrochen einer Windmaschine ausgesetzt war, die seine Haare wild durch die Gegend blies. Musikalisch gab es nichts zu meckern (trotz diverser technischer Probleme), und auch die Songauswahl stimmte mich weitgehend zufrieden.

Das absolute Highlight des Abend sollte jedoch erst nach Ende des Konzerts wenige Meter vor dem Eingang stattfinden. Drei maximal 14-jährige Mädels, alle drei im selben überteuerten Shirt vom Merchandise-Stand und eine sogar stilecht mit Zahnspange, unterhielten sich über das soeben Erlebte.

1: „Oh man, dieses Gehüpfe vor der Bühne und die ganzen Ellenbogen, mir tut voll der Magen weh.“ 2: „Ja, das war echt anstrengend, ich hab tierisch Kopfschmerzen.“ 3: „Seht’s mal so, wir haben es überlebt!“ 1 & 2: freudig-zustimmendes Nicken…

Ach ja, Bilder gibt’s auch noch, nämlich hier und hier.

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3 Kommentare

  1. MisterBrightside 21. Februar 2007

    Au weia, das erinnert mich an eine Geschichte von einer Freundin. Die war auf einem Lostprophets-Konzert. Bei der Vorband wurde schon mächtig gemoshpitted. Eine ebenfalls maximal Vierzehnjährige guckt sie bedrückt an: „Ja, die Lostprophets werden aber nicht so hart sein. (Stille) …oder doch?“

    Und ich konnte leider nicht aufs Johnossi-Konzert. Drum gab’s auch keinen Bericht. Leider.

  2. matze 21. Februar 2007

    Ach schade, wieso hats denn net geklappt? Am 19.4. spielen THe Blood Arm im Cookys, da werd ichs dann wohl hinschaffen.

  3. MisterBrightside 22. Februar 2007

    Weil niemand mitwollte und ich mir alleine auf Konzerten irgendwie doof vorkomme.

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