Return of the Glowsticks

OK. Nachdem mein geschätzter Mitreisender Nico mittlerweile seinen Reisebericht aus London abgeliefert hat, hab ich mich trotz sonntäglicher Depression (draußen allerfeinstes Frühlingswetter und ich mit wiedererstarkter Erkältung im Bett) auch endlich mal an meine Version gesetzt. Anfang Februar machte ich bereits auf die geplante Schließung zweier berühmter Konzertstätten aufmerksam und orakelte etwas von einem Masterplan. Donnerstag vor einer Woche folgten dann entsprechende Taten: Anlässlich des Abschluss-Gigs der NME New Rave Tour 2007 zog es uns ins Londoner Hammersmith Palais.

Die Flüge waren gebucht, die Karten gekauft und das Geld gewechselt – es konnte losgehen. Unser Flieger landete überpünktlich um 16 Uhr Ortszeit auf dem Flughafen Stansted, geplanter Rückflugtermin war 15.30 Uhr des Folgetages. Somit lagen knapp 24 Stunden London vor uns und lediglich das Wetter, nämlich bewölkt und nass statt sonnig und trocken wie zuhause, trübte in Verbindung mit der Tatsache, dass wir keinen Schlafplatz hatten den Auftakt der Tour ein wenig. Whatever. Mit dem Bus ging’s rein in die Stadt, anschließend weiter mit der Tube direkt bis vor die Pforten Location. Angekommen führte unser Weg nach ergebnislosem Intermezzo am Merchandise-Stand direkt vor die Bühne, welche nach kurzem Warten auch schon vom ersten Act des Abends, New Young Pony Club, betreten wurde.

New Young Pony Club

Die wohl am ehesten für ihren Song „Ice Cream“ aus der Werbung eines namhaften Chipherstellers bekannte Londoner Truppe, deren Debütalbum Anfang Mai in Großbritannien in den Läden stehen soll, gab nur wenige Songs zum Besten, was vermutlich der mangelnden Auswahl an eigenem Material geschuldet war. Doch trotz früher Stunde schafften sie es, allen voran Frontfrau Tahita Bulmer, mit einer energiegeladenen Vorstellung die noch nicht so zahlreich erschienen Gäste gehörig in Stimmung zu bringen. Ein durchweg gelungener Auftakt!

The Sunshine Underground

Weiter ging’s mit dem von mir sehnsüchtig erwarteten Auftritt der Kameraden von The Sunshine Underground aus Leeds, eine meiner erklärten Lieblingsbands, deren großartigem Sound selbst auf SpOn.de jüngst absolute Schubladenuntauglichkeit attestiert wurde. Und es sollte in der Tat das beste Set des Abends werden, mit einem fantastischen Sound, der das altehrwürdige Palais erzittern lies. Der Funke sprang direkt bei den ersten Takten von „Put You In Your Place“ auf die feierwütige Menge über, und als ich den kompletten Inhalt eines Bierbechers sich über einen Typen neben mir ergießen sah, wurde schnell der Entschluss zum Ausweichen an die Seite gefasst.

CSS

Dritte im Bunde waren die Brasilianer Cansei de Ser Sexy, von denen ich ja bereits im Januar unter – wie sich herausstellte – fadenscheinigen Gründen versetzt wurde. Mit schwarzen Laken verhüllt betraten Lovefoxxx und Co die Bühne und bauten sich an ihren Instrumenten auf. Stille. Dann, wie ein Paukenschlag, dröhnt der Beat von „No Limit“ (ja genau DAS) aus den Boxen, die Laken sinken zu Boden und die Lyrics von „CSS Suxxx“ ertönen zu einem furiosen Mashup. Auch danach hielten der tollwütige Fuchs im Spandex-Dress und ihre fünf Kumpane das Tempo mit viel Glitter konstant hoch. Keine Verschnaufpausen also.

Klaxons

Bereits ziemlich verausgabt und in Erwartung des großen Finales beobachteten wir die wachsende Leuchtstabdichte. Was das zu bedeuten hatte war klar: Klaxons, die Fahnenträger des New Rave Hypes und zur Zeit mit der heißeste Scheiß von der Insel schickten sich an die Bühne zu entern. Als es soweit ist verschmilzt das Neonleuchten des Publikums mit der irrwitzigen Lightshow auf der Bühne zu einem einzigen Meer aus Farben über das ein wüstes Synthi- und Bassgewitter hereinbricht. Hit reihte sich an Hit und die kollektive Extase erreichte ihren Höhepunkt als beim abschließenden „Four Horsemen of 2012“ zwei Gitarren ihr Leben lassen mussten. Lediglich der Bass kam mit dem Schrecken davon.

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Aus, Ende, vorbei? Weit gefehlt! Gerade dachten wir es wäre überstanden, da erreichte der Wahnsinn eine neue Dimension. Die gesamte Mischpoke versammelte sich noch einmal, um sich ausgelassen (und offenkundig hinreichend alkoholisiert) selbst zu feiern. Craig Wellington verkündet: „This is the song of the tour“ und was danach passierte, kann ich mit Worten nicht beschreiben.

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Diese denkwürdige Performance markierte das Ende eines schon jetzt legendären Abends, doch die Nacht (und es sollte eine verdammt lange werden) hatte gerade erst begonnen. But that’s a different story… Meine Bilder gibt’s hier, weitere sind hier und hier zu bestaunen. Möge das Hammersmith Palais in Frieden ruhen, seine Schließung ist wahrlich eine Schande!

R.I.P.

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