300 (2007)

300

„Wanderer, kommst du nach Sparta, verkündige dorten, du habest uns hier liegen gesehn, wie das Gesetz es befahl.“

Viel wurde geschrieben über Zack Snyder’s Adaption der Graphic Novel 300 von Frank Miller. Meist nichts Gutes. Da ist von faschistoider Ideologie, von US-amerikanischer Kriegspropaganda und ähnlichem die Rede. Somit war ich zusätzlich gespannt auf den eigenen Kinobesuch, schließlich hatte ich lediglich eine durchgestylte Comicverfilmung erwartet…

Ehrlich gesagt, mehr habe ich dann auch wahrlich nicht gesehen. Zweifelsohne ist 300 hochgradig gewaltverherrlichend, ästhetisiert diese bisweilen sogar. Hinzu kommen moralisch fragwürdige Parolen en masse und die durchgängige Glorifizierung des Krieges und seiner vermeintlichen Helden, die bereit sind für die subjektiv richtige Sache voller Stolz ihr Leben zu lassen. Es gibt also auf den ersten Blick durchaus genügend Ansatzpunkte für Kritik. Meine Frage lautet: Warum wird diese gerade jetzt so laut? Schließlich gibt es dutzende anderer Filme mit den aufgezählten Motiven, wieso also diese Welle der Entrüstung gegenüber 300?

Denn der Streifen ist nicht mehr als eine 1:1 Umsetzung der Graphic Novel von Frank Miller. Die markigen Dialoge, das martialische Gehabe, die schonungslose Brutalität – alles direkt übernommen. Zudem dürfte gemeinhin bekannt sein, dass die Überlieferung der Schlacht bei den Thermopylen nicht den tatsächlichen Ereignissen entspricht. Nichtsdestotrotz wurde und wird sie immer wieder gerne als Paradebeispiel für Heldenmut, Tapferkeit und Opferbereitschaft bemüht. Konnte man denn also – selbst in Unkenntnis der Comicvorlage – etwas wesentlich anderes erwarten als das vorliegende Resultat? Ich meine nein.

Noch ein paar Worte zum Film selbst. Zack Snyder’s Background als Werbefilmer macht sich – wie bei seiner oft unterschätzten Dawn of the Dead Neuinterpretation aus dem Jahre 2004 – auch hier positiv bemerkbar. Die Umsetzung auf die Leinwand ist ihm zweifellos gut gelungen. Dass 300 letzen Endes meine hohen Erwartungen nicht erfüllen konnte, liegt einerseits an dem hinzugefügten Subplot um Leonidas Frau, der den Film unnötig in die Länge zieht. Hinzu kommt, dass viele Szenen und Dialoge in bewegten Bildern und gesprochenem Wort schlicht extrem lächerlich wirken.

Dennoch hatte ich meinen Spaß, auch wenn er sich wohl in seiner Ausprägung von dem der sonstigen Kinobesucher unterschied. Selten bot sich ein Film derart offensichtlich für eine Persiflage an. Und im Abspann hab ich dann doch noch die Nazi-Propaganda gefunden. Als „Uber Immortal“ war dieses niedliche Kerlchen angeführt. Subtil, aber vielleicht gerade deshalb so gefährlich? BpjM, nun seid ihr gefragt. Verbieten, Konfiszieren, Wegschließen!

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