Vorsicht, Suchtgefahr!

von Matze

Nachdem gestern anlässlich einer “Experten”anhörung im Bundestag mal wieder das Thema “Onlinesucht” durch die Medien geisterte, habe ich mich heute spontan an den Selbstversucht gewagt. Da ich immer noch an einer Erkältung laboriere und somit weder Uni noch Büro aufsuchen konnte, lagen zudem optimale Rahmenbedingungen für die Erhebung vor. Zu den Ergebnissen geht’s nach dem Klick.

Aufstehen. Kühlschrank. Klo. MacBook. Könnte schlimmer sein. Mit einer einzigen fließenden, quasi automatischen Mausbewegung setze ich meinen Status in Adium und Skype auf online und rufe anschließend mein Gmail Postfach auf. Erstes besorgtes Heben der Augenbrauen. Nichts wirklich interessantes, nur ein Uni-Newsletter und der Hinweis auf eine last.fm Kurznachricht. Selbige also flugs beantwortet und mich dann den E-Mails aus dem Büro gewidmet. Das fällt unter Arbeit. Oder so.

Nach getaner zunächst für musikalische Untermalung gesorgt, um der Restmüdigkeit beizukommen. Dann einen ersten Blick auf den Feedreader riskiert. “Nur” etwas unter 1000 ungelesene Artikel Beiträge Dinger – geht ja direkt noch. Angefangen – wie immer – mit den Musikblogs. Hierfür geht definitiv stets die meiste Zeit drauf. Da wollen zig Lieder angehört, für gut oder schlecht befunden, anschließend gegebenenfalls auf die Platte geladen und in iTunes einsortiert werden. Die heutigen Highlights: der Danger Remix des Sébastien Tellier Tracks “Divine” und der neue Track der Cool Kids, “Oscar”.

Die Ohren wären versorgt, nun sind die Augen dran. Für den Einstieg eine Erklärung warum Superman schlicht lahm ist und auch immer lahm sein wird, weiter mit Berlin-Prosa im dritten und besten Teil vom Sommer in Prenzlauer Berg beim Spreeblick und schließlich noch die Erlebnisse des MC mit den vier Elementen. Überraschenderweise sind nicht diese vier gemeint. Doch dazu gibt’s direkt auch noch etwas. Das mit Abstand abgefahrenste Video, das ich seit langer Zeit gesehen habe. Seht selbst:

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Nachdem mein Mund wieder geschlossen ist und meine Hände aufhören auf imaginären Turntables zu scratchen, folgt noch bunt gemischter Sinn und Unsinn aus den Weiten des Internetzes: ein neuer “Get a Mac”-Spot, ein bisschen Schmunzeln über unsere aufgeschlossenen Politiker im Bundestag, Kopfschütteln über die Musikindustrie – mal wieder und große Freude über die neusten Bestätigungen beim Melt! Noch kurz mit dem Gedanken gespielt mir neuen Wandbehang zuzulegen, doch stattdessen durch eine neue E-Mail bei einer CD WOW! gelandet und CDs im Rahmen einer “Alles-2-Euro-billiger-Aktion” gekauft. Neun Stück.

Verdammtes Internet. Was ist wohl verheerender? Die Möglichkeit, in sehr kurzer Zeit sehr viel Geld los zu werden, oder die stetigen Verlockungen zur Prokrastination.

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Ich brauche jetzt dringend Frühstück. Dazu die neuste South Park Folge.

Am Nachmittag dann zur Abwechslung eine produktive Bandbreitennutzung. Unikram erledigen. Ironischerweise nicht für mich, sondern für einen Freund, der es seit 14 Semestern schafft, mehr oder weniger gänzlich ohne Internet auszukommen. Ich lache leise auf und schüttel’ ungläubig den Kopf. Ein schlechtes Anzeichen? Ich verwerfe den Gedanken und dafür den UEFA Cup Ticker an. Dann muss das kleine Weiße dem großen Silbernen weichen – ich schau’ mir ‘nen Film an.

Danach ein paar Reviews zum just Gesehenen überflogen und den Feedreader erneut geleert. Nun weiß ich, wo ich bei meinem nächsten New York Besuch unbedingt hin muss und wer meine Hochzeitsfotos machen wird, sollte ich währenddessen zufällig der Liebe meines Lebens begegnen. Vor Anpfiff des Rückspiels der Bayern dann endlich noch ein geeignetes Geburtstagsgeschenk gefunden und mit dem Künstler erfolgreich um die Versandkosten gefeilscht.

Als ob ich mit all dem nicht schon genug Zeit vor dem Bildschirm verbracht hätte, hab’ ich mir nun auch noch die Mühe gemacht den ganzen Quatsch wieder in das gleiche Netz zu tippen, dem er entsprang. Wie lautet also das Ergebnis meines Experiments? Selbstverständlich ist bei mir keinerlei Suchtverhalten erkennbar! Lediglich eine hohe Internet-Affinität, eine ausgeprägte, stark diversifiziertes Nutzung, ein immersiv-exploratives Klickverhalten. Ähm. Ja. Chatten fällt für mich übrigens in die gleiche Kategorie wie telefonieren und wird daher nicht berücksichtigt. 21. Jahrhundert, anyone? Wie dem auch sei, ich werd’ mal schlafen. Vielleicht träum’ ich ja was schönes. Von Zwillingen oder so.

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