Schwachsinn am Morgen
In den Hauptrollen: die niedersächsische Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann und der brandenburgische CDU-Vorsitzende Sven Petke.
Heise.de meldet (Hervorhebungen von mir):
Nach Angaben der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung hat die niedersächsische Sozialministerin Ross-Luttmann den suchtgefährdenden Spielen den Kampf angesagt. Das Ziel sei, Programme [wie] das Online-Rollenspiel “World of Warcraft” künftig für Jugendliche zu verbieten. Möglichst schnell sollen die Bewertungskriterien geändert werden, nach denen die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) die Altersfreigabe von Computerspielen festlegt. Ross-Luttmann will dazu ein Konzept vorlegen, was noch mit den Ländern abgestimmt werden müsste. Suchtgefährdende Spiele könnten dann nur noch für Erwachsene zu kaufen sein. Die USK prüft bisher nur, ob die Darstellungen von Gewalt und Sexualität mit dem Jugendschutz vereinbar sind.
Aha. Vielleicht dann am besten auch Handys, Fernseher und den Internetzugang nur noch für Erwachsene? Oder wie wäre es mit Fußball spielen und Briefmarken sammeln? Natürlich ist mir klar, dass Computerspiele aufgrund des teils hochgradig immersiven Erlebens ein höheres Suchtpotential bergen. Meine – zugegebenermaßen überspitzte – Beispielaufzählung soll klar machen, dass eine Grenzziehung hier faktisch unmöglich ist. Denn abgesehen davon, dass die Suchtanfälligkeit individuell verschieden ist: Wer soll überhaupt beurteilen, ob ein Spiel suchtgefährdend ist oder nicht? Tetris, anyone?
Und es wird noch bunter:
Petke verlangte auch ein Verbot für Videospiele, die Gewalt verherrlichen. Allem Anschein nach seien die jugendlichen und heranwachsenden Amokläufer gleichzeitig Konsumenten dieser von Gewalt beherrschten Spiele. “Diese Machwerke gehören verboten.” Das Verbot müsse auch im Internet durchgesetzt werden, wobei die betreffenden Dienstleister in der Pflicht stünden. “Die Zeit der Ausflüchte ist vorbei. Wir brauchen entsprechende Web-Filter, die von den Internet- Providern betrieben werden.”
Eigentlich das übliche sinnentleerte Geschrei, allerdings war mir die extrem populistische Färbung dann doch eine Erwähnung wert. Von “jugendlichen und heranwachsenden Amokläufern” zu sprechen ist nicht nur völlig realitätsfremd, es ist darüber hinaus auch eine noch geschmacklosere Pauschal-Verurteilung der Kids als der Kriminalisierungswahn der Content-Industrie. Und zum Geunke vom Ende der “Zeit der Ausflüchte” und der Forderung nach Web-Filtern, kann man mal wieder nur den Kopf schütteln…
