Kick-Ass (2010)

Kick-Ass

„Fuck this shit, I’m getting the bazooka!“

Mit etwas Verspätung gibt es hier nun mein Review zu „Kick-Ass“, da ich mir zunächst noch die Vorlage von Mark Millar zu Gemüte führen wollte. Dass der Name Programm sein würde, daran ließen die Trailer im Vorfeld bereits wenig Zweifel und es wurde in der Tat nicht zu viel versprochen. Kick-Ass most definitely kicks ass! (um dieses überstrapazierte Wortspiel hier auch mal gebraucht zu haben)

Die Zutaten des Films, in dem (mehr oder weniger) normale Menschen sich zu Superhelden aufschwingen, sind überschaubar: Eine satte Portion Nerdtum, eine Prise Coming-of-Age, garniert mit jeder Menge expliziter Gewalt. Doch nicht nur Comic-Liebhaber dürften auf ihre Kosten kommen, denn der Film erweist sich trotz vieler brutaler Szenen als äußerst Mainstream-kompatibel. Dafür sorgen unter anderem einige Storyänderungen im Vergleich zur Vorlage, doch dazu später mehr. „Kick-Ass“ kann natürlich nicht mit Tiefgang und komplexen Meta-Ebenen punkten, wie etwa der thematisch ähnlich gelagerte „Watchmen“, macht jedoch auch keinen Hehl daraus, dass dies überhaupt nicht sein Anspruch ist.

Mehr braucht man zum Unterhaltungswert des Filmes eigentlich nicht zu sagen, weshalb ich stattdessen noch auf verschiedene Kritikpunkte eingehen möchte, die ich in dieser Form nicht nachvollziehen kann. Zum einen wäre da das Thema der expliziten Gewaltdarstellung und -ausübung, besonders in Zusammenhang mit der Figur des erst elfjährigen Hit Girls (gespielt von der dreizehnjährigen Chloë Moretz). Der von mir sehr geschätzte und gern gelesene Robert Ebert beispielsweise gibt dem Film lediglich einen Stern und prangert ihn als moralisch verwerflich an. Eine durchaus legitime Meinung, allerdings störe ich mich an folgendem Satz aus seiner Kritik: „This isn’t comic violence“, bezogen auf die berühmt-berüchtigte Hallway-Szene aus dem Hit Girl Red Band Trailer.

Ein 11-jähriges Mädchen in violetter Superhelden-Montur schießt sich spektakulär ihren Weg durch einen Korridor voller bewaffneter Mafia-Schergen. Dabei hangelt sie sich artistisch an Bücherregalen entlang, weicht durch bloßes Kopf-zur-Seite-Neigen mühelos den Kugeln ihrer Widersacher aus und lädt ihre Pistolen in vollem Lauf scheinbar spielend mit durch die Luft wirbelnden Magazinen nach. In einer anderen Szene schneidet sie mit Messern durch die Gliedmaßen ausgewachsener Bösewichte wie durch Butter und demonstriert Martial-Arts-Moves als hätte sie sämtliche Shaw Brothers Filme mit der Muttermilch aufgesaugt. Wenn es sich dabei nicht um offensichtlich überzeichnete Gewalt, also eben genau jene „comic violence“ die Ebert dem Film abspricht, handelt, dann weiß ich auch nicht.

Die Filmfreunde finden den Film zwar überwiegend gut, Batz und René bemängeln aber die Abweichungen vom Original und in diesem Zusammenhang auch die Mutlosigkeit der Macher. Der subversive Subtext der Graphic Novel weiche somit substanzloser Popcorn-Action mit gewaltverherrlichender Message. Allein, ich sehe diesen Subtext in Mark Millars Werk nicht. Ich sehe keine Satire, keinen kritischen Unterton, keine ironische Brechung der Brutalität.

[Spoileranfang] Zwar kriegt der Protagonist im Comic am Ende nicht das Mädchen sondern bleibt ein bemitleidenswerter Loser, doch dieser sieht sich im abschließenden Monolog gar als Weltveränderer (und wohl auch -verbesserer), denn schließlich habe er ja maskierte Selbstjustiz „fashionable“ gemacht [Spoilerende]. Darin kann ich beim besten Willen keine finale Verurteilung der Gewaltanwendung erkennen. Dass die Anti-Helden des Comics auf der Leinwand zu echten (Super-)Helden stilisiert werden mag bis zu einem gewissen Grad stimmen, ich bezweifle allerdings stark, dass am Ende tatsächlich jemand aus dem Kinosaal kommt und Gewalt aufgrund des gerade Gesehenen plötzlich als probates Mittel zur Problemlösung ansieht, welches darüber hinaus noch die eigene Coolness exponentiell ansteigen lässt.

Für mich war „Kick-Ass“ letztlich jedenfalls eine mehr als gelungene Comicverfilmung, welche Kompromisslosigkeit und Unversöhnlichkeit der Vorlage durch Popcornkompatibilität und Comic Relief ersetzt und dabei dennoch eine sehr gute Figur macht.

Rating: ★★★★★★★★☆☆ 

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2 Kommentare

  1. Thang 3. Mai 2010

    Sehe ich sehr ähnlich!

    Und die Review kommt echt sehr sehr spät 😉

  2. Matze 3. Mai 2010 — Autor der Seiten

    Hey, immerhin noch früher als mein re:publica Bericht 😀

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