Review: The Social Network (2010)

The Social Network

„That’s not what happened.“

„Ein Film über Facebook? Zeigen die da zwei Stunden lang irgendwas über Farmville und Mafia Wars?“ – So oder ähnlich klang die Reaktion der meisten Leute, denen ich zum ersten Mal von „The Social Network“ erzählte. Auch die Tatsache, dass niemand geringeres als David Fincher die Regie führte, vermochte die Skepsis bei den wenigsten zu mildern. Ich ging die Sache zwar nicht ganz so pessimistisch an, doch gehörte durchaus zur Gruppe der Zweifler, woran auch die Trailer zunächst nichts zu ändern vermochten.

Dann lief der Film in den USA an, und je mehr euphorische Reviews ich las, desto mehr lies ich mich anstecken. Von „brillant“ und „Meisterwerk“ war die Rede, und da mit Jesse Eisenberg und Andrew Garfield die beiden derzeit vielleicht vielversprechendsten Nachwuchsschauspieler Hollywoods mit von der Partie sind, beschloss ich, dem Film eine faire Chance zu geben, begann mich sogar regelrecht darauf zu freuen.

Am vergangenen Dienstag kam ich schließlich in Berlin im Rahmen einer Pressevorführung in den Genuss des Filmes (der Vorführraum von Sony hat übrigens mit Abstand die bequemsten Kinosessel, in denen ich seit langer Zeit sitzen durfte) und siehe da: ich war begeistert. Meine größte Sorge – ob das Thema nicht vielleicht doch zu wenig hergibt, um in zwei Stunden Film keine Längen aufkommen zu lassen – erwies sich bereits nach der Einleitungsszene als unbegründet.

Wer annahm, Facebook selbst würde in dem Film eine große Rolle spielen, wurde gleich zu Beginn eines besseren belehrt. Eine neunminütige Unterhaltung zwischen Mark Zuckerberg (Jesse Eisenberg) und seiner damaligen Freundin Erica (die am Ende der Szene mit ihm Schluss macht, was ihn dazu bringt, aus Rache den Vorgänger von Facebook zu kreieren) gibt den Takt für den weiteren Verlauf des Filmes vor und macht deutlich, wo die Reise hingeht:

Die geschliffen scharfen Dialoge von Aaron Sorkin sind Highlight und tragendes Element von „The Social Network“. Im Zusammenspiel mit Fincher’s perfekter, doch niemals aufdringlicher Inszenierung sowie Trent Reznor’s exzellenten Soundtrack und natürlich den durchweg hervorragenden schauspielerischen Leistungen der jungen Darstellerriege, entsteht ein spannendes, kurzweiliges Filmerlebnis, das zu keinem Zeitpunkt Langeweile aufkommen lässt.

In Interviews bescheinigt Sorkin dem Film eine Nähe zum Genre des Gerichtsdramas, was nicht zuletzt der Tatsache geschuldet ist, dass die reale Erzählebene sich ausschließlich in verschiedenen Verhandlungszimmern abspielt. In Rückblenden wird die Entstehungsgeschichte von Facebook erzählt und zwar nicht in einer definitiven, sondern im Stile von Kurosawas „Rashomon“ in drei unterschiedlichen, sich teilweise widersprechenden Versionen.

Genau in dieser Darstellungsform liegt die große Anziehungskraft des Films. Alle Charaktere bieten zu einem bestimmten Zeitpunkt ein gewisses Identifikationspotential, keine der Geschichten kann vollständig für bare Münze genommen werden, wodurch Platz für Spekulation und Diskussion bleibt. Es handelt sich eben doch nicht um einen Nerd-Epos voller kryptischer Programmiersprachen und Nächten vorm Monitor mit Pizza-Kartons und Dr Pepper.

In „The Social Network“ dreht sich alles um die „klassischen Themen des amerikanischen Kinos – Loyalität, Freundschaft, Macht, Geld, Neid, Status, Eifersucht – eingebettet in einen authentischen, zeitgenössischen Kontext“ (Sorkin). Mark Zuckerberg’s „Aufstieg vom Hacker zum CEO“ eines 25 Milliarden Dollar Unternehmens – ein Update des Amerikanischen Traums für das 21. Jahrhundert – ist die zentrale Erzählung des Films. Und es ist eine verdammt unterhaltsame!

Rating: ★★★★★★★★☆☆ 

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