Review-Adventskalender #1: Red State

Cinematze Review-Adventskalender #1
Die Bilder der 24 „Türchen“ stammen allesamt von Flickr-User Leo Reynolds und stehen unter einer CC BY-NC-SA 2.0 Lizenz.

Kurz vor Ablauf des ersten Tages im Dezember habe ich es dann doch tatsächlich noch geschafft, das erste Türchen des Cinematze Review-Adventskalenders zu öffnen. Die Intention hinter dem ganzen ist schnell erklärt: Indem ich jeden Tag eine Rezension zu einem von mir in 2011 gesehenen und besonders gemochten Film online stelle, gebe ich euch einerseits die Gelegenheit, auf etwaige verpasste Perlen aufmerksam zu werden. Andererseits entsteht auf diese Weise direkt mein persönliches Best-of des vergangen Filmjahres, so dass ich mir die Liste am Jahresende sparen kann. Win-Win quasi. Oder so.

Red State„I fear God. You better believe I fear God.“

Den Auftakt macht Kevin Smith’s Horror-Thriller „Red State“, der mein persönlicher Eröffnungsfilm der diesjährigen Jubiläumsausgabe des Fantasy Filmfests war (die insgesamt übrigens leider verhältnismäßig schwach ausgefallen ist). Smith zeichnet sich mit „Chasing Amy“ für einen meiner absoluten Lieblingsfilme verantwortlich und steht daher auf ewig in meinem Buch der coolen Leute. Mit der Regie-Auftragsarbeit „Cop Out“, die von den Kritikern zerfetzt wurde, schien er sich zuletzt keinen Gefallen getan zu haben, jedoch sagte Smith mal in einem Interview, dass „Red State“ ohne die Erfahrungen, die er während des Drehs zu der Action-Komödie mit Bruce Willis und Tracy Morgan gemacht hat, wohl nicht zustande gekommen wäre. Die ersten Reviews zu „Red State“ fielen allerdings auch eher verhalten aus, weshalb ich letztlich durchaus mit einer gewissen Skepsis ins Kino ging.

Kurz zur Story: Die drei Teenager Billy-Ray, Jared und Travis folgen einer Internet-Annonce, welche scheinbar unverbindlichen Sex verspricht, sich jedoch ziemlich schnell als Falle entpuppt, die sie in die Fänge der fundamentalen Gemeinde von Pastor Abin Cooper (großartig: Michael Parks) treibt. Der Pastor und seine fehlgeleiteten Schäfchen haben für Promiskuität und auch für Homosexualität nicht allzu viel übrig, was sie den „Sündern“ mittels höchst drastischer Maßnahmen schmerzhaft klar machen. Nachdem ein Einsatzkommando des ATF das festungsartige Gelände umstellt hat, kommt es recht schnell zu einem spektakulären Shootout, der eine Vielzahl von Opfern auf beiden Seiten des Zauns fordert…

Anhand der Inhaltsangabe sieht man bereits, dass die Bezeichnung „Horror-Thriller“ eher irreführend ist (auch wenn es mitunter sehr blutig zur Sache geht). Der einzige, sehr reale Horror ergibt sich aus der Tatsache, dass die absurd anmutende Geschichte erschreckenderweise nicht allzu realitätsfern ist: Als Vorlage für den Haupt-„Bösewicht“ diente Smith wohl Fred Phelps, Oberhaupt der schwulenfeindlichen Westboro Baptist Church. Weitere offenkundige Anleihen stammen von der sogenannten Waco-Belagerung aus dem Jahr 1993.

„Red State“ ist stattdessen vielmehr ein vor Zynismus triefender Thriller mit stark satirischem Einschlag. Im Vordergrund steht natürlich die Kritik an religiösem Fundamentalismus, doch auch in Richtung des Staates (Stichworte: Polizeigewalt, Willkür und Machtmissbrauch) teilt der Film gehörig aus. Dabei zeigt sich, dass die Smith typischen Dialoge erstaunlich gut mit der Thematik harmonieren und für einen mitunter bitterbösen schwarzen Humor sorgen, bei dem einem ein ums andere Mal das Lachen im Halse stecken bleibt.

Unter dem Strich ist „Red State“ eine vielschichtige Abrechnung mit jedweder Form von Fanatismus, wobei Kevin Smith auf für ihn ungewohntem Genre-Terrain zurück zu alter Stärke findet. Diese Essenz des Films lässt sich am besten mit dem vielleicht wichtigsten Zitat zusammenfassen (welches man guten Gewissens ohne zu spoilern erwähnen kann): „People just do the strangest things when they believe they’re entitled. But they do even stranger things when they just plain believe.“

Meine anfängliche Skepsis war übrigens spätestens nach einer Viertelstunde gänzlich verflogen, als mich die knapp zehnminütige Predigt von Pastor Cooper, welche mir als eine der besten Szenen des gesamten Filmjahres in Erinnerung blieb, voll in ihren Bann zog. Falls ihr euch als zusätzliche Entscheidungshilfe selbst davon überzeugen wollt, findet ihr Michael Park’s Monolog komplett bei YouTube:

Rating: ★★★★★★★★½☆ 

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6 Kommentare

  1. honki 2. Dezember 2011

    Yes! Red State hatte ich mir auch letztens angesehen und echt viel Spaß damit gehabt, toller Film in dem mir John Goodman richtig gut gefallen hat. Gerade das Ende fand ich super, mit der Auflösung um die Posaunen von Jericho 😀

  2. Matze 2. Dezember 2011 — Autor der Seiten

    Jep, die Dialogszene am Ende ist definitiv eines der absoluten Highlights und die Posaunen-Story ist wahrlich der Knaller 😀

  3. GroteskeAder 2. Dezember 2011

    Hat mich auch überzeugt, der Film.
    Empfehlen könnte ich noch „The Woman“. War für mich auch einer der guten Filme dieses Jahr.

    (John Goodman ist und bleibt einer meiner Lieblingsschauspieler. Wie macht der das nur? Bisher nie verscherzt.)

    • Matze 3. Dezember 2011 — Autor der Seiten

      Muss wohl an seiner grundsympathischen Art liegen, aufgrund derer man ihm auch mal Ausrutscher gerne verzeiht (*hust* Blues Brothers 2000 *hust*).

      Was „The Woman“ angeht, den habe ich auch gesehen und hatte vorab ziemlich hohe Erwartungen, die leider nicht im Geringsten erfüllt wurden. Fand den viel zu gewollt und plump, obwohl er scheinbar gerne clever und subtil wäre. Stehe mit meiner Meinung in meinem Bekanntenkreis allerdings ziemlich alleine da… 😉

  4. filmblogger 4. Dezember 2011

    Die Meinungen zu Red State scheinen ja sehr auseinanderzugehen… Ich muss ihn mir unbedingt noch ansehen, nicht zuletzt weil deine positive Review wirklich Lust auf mehr macht! Übrigens: nette Idee mit dem Adventskalendar

  5. Matze 5. Dezember 2011 — Autor der Seiten

    Freut mich, dass dir mein Adventskalender gefällt und dass dich meine Rezension darin bestärkt hat, dir den Film anzusehen. Damit hat das ganze ja bereits seinen Zweck erfüllt 🙂

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