Review-Adventskalender #2: Winter’s Bone

Cinematze Review-Adventskalender #2

Winter's Bone– „Ain’t you got no men could do this?“
– „No, Ma’am, I don’t.“

„Winter’s Bone“ war nicht nur einer der ersten Filme, die ich in 2011 sah, sondern – soviel sei bereits vorangestellt – auch einer der besten. Das raue Neo-Noir-Sozialdrama zeigt die Vereinigten Staaten von einer ihrer wohl trostlosesten Seiten und glänzt mit überragenden Darbietungen von Jennifer Lawrence und John Hawkes, die in meinen Augen bei der Oscar-Verleihung zu Unrecht leer ausgingen. Zumal ich die Filme der Sieger in den jeweiligen Kategorien – „Black Swan mit Natalie Portman als beste Hauptdarstellerin und „The Fighter“ mit Christian Bale als bester Nebendarsteller – deutlich schlechter fand. Aber seit dem Oscar für Sandra Bullock im vergangenen Jahr, erwarte ich von der Academy eigentlich ohnehin rein gar nichts mehr.

Zur Story: Die erst siebzehnjährige Ree Dolly lebt zusammen mit ihren beiden jüngeren Geschwistern, um die sie sich aufopferungsvoll kümmert, sowie ihrer psychisch schwer kranken Mutter am absoluten Existenzminimum. Als Vater Jessup – seines Zeichens Meth-Koch und nur auf Kaution auf freiem Fuß – nicht zu einer anberaumten Gerichtsverhandlung erscheint, droht die Familie ihr Dach über dem Kopf zu verlieren, da Jessup das Haus der Dollys als Sicherheit für seine Kaution hinterlegt hat. Überzeugt davon, dass ihr alter Herr nicht einfach untertauchen würde und ihm vielmehr etwas zugestoßen sein muss, begibt sich Ree auf eine verzweifelte Suche voller Gefahren…

Ähnlich wie die empfehlenswerte FX Serie „Justified“ ist auch „Winter’s Bone“ im tiefsten Süden der USA, genauer gesagt in den abgeschiedenen Wäldern des Ozark-Plateaus in Missouri, angesiedelt. In dieser trostlosen Gegend, fernab von den Geschehnissen der Außenwelt, scheinen sich die Bewohner ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten geschaffen zu haben. Hier wird das Bild eines Milieus gezeichnet, welches geprägt ist von allgegenwärtiger Hoffnungslosigkeit und dem zum Teil täglichen Kampf ums Überleben. Karge Blockhütten, ausgebrannte Meth-Labore und eine unwirtliche Mischung aus Geröllfeldern und Waldgebieten – alles gefärbt in ein stetes Grau – dominieren das Landschaftsbild und erzeugen beim Zuschauer ein Gefühl der Einsamkeit.

Diese Einsamkeit spiegelt sich auch in der Protagonistin Ree wieder, die bei der Suche nach ihrem Vater völlig auf sich alleine gestellt scheint und allerorten auf Ablehnung und Feindseligkeit stößt. Zwar sind offenbar alle über mehr oder weniger viele Ecken miteinander verwandt, doch lästige Fragen sind äußerst unwillkommen und mit Störenfrieden wird nicht gerade zimperlich umgesprungen. Blut mag zwar auch hier dicker sein als Wasser, doch definitiv nicht dicker als Crystal Meth.

Authentizität lautet das Schlüsselwort für die seltsame Faszination, die von „Winter’s Bone“ ausgeht. Diese rührt unter anderem auch daher, dass Regisseurin Debra Granik vor Ort mit zahlreichen einheimischen Laiendarstellern zusammengearbeitet hat, die tatsächlich ihr Leben in dieser Einöde bestreiten müssen. Hinzu kommt die exzellente Kameraarbeit, welche über die gesamte Länge des Films mit aller Ruhe in der Rolle des stillen Beobachters verharrt und somit die triste Umgebung für sich sprechen lässt. Mitunter könnte man deshalb den Eindruck gewinnen, gerade einem Dokumentarfilm über den Süden der USA und die Missstände der dort anzutreffenden amerikanischen Unterschicht beizuwohnen.

„Veronica Mars“ gegen die Hillbillies – so ließe sich „Winter’s Bone“ reißerisch umschreiben, wobei das Drama aufgrund der erwähnten Authentizität zu keinem Zeitpunkt Gefahr läuft, stereotyp oder unglaubwürdig zu wirken. Ob Ree’s Suche am Ende in Selbstzerstörung mündet, oder ob – aller Widrigkeiten zum Trotz – ausgerechnet in diesem Ödland die Hoffnung auf eine bessere Zukunft für sie und ihre Familie keimen kann? Diese Frage solltet ihr euch beantwortet lassen, indem ihr euch schleunigst den Film besorgt!

Rating: ★★★★★★★★★☆ 

Nächster in Artikel

Vorheriger in Artikel

2 Kommentare

  1. GroteskeAder 4. Dezember 2011

    Vielen Dank für diese Review.
    Film wird sobald als möglich erlebt.
    🙂

  2. Matze 5. Dezember 2011 — Autor der Seiten

    Gern geschehen, ich wünsche viel Spaß beim Film 😉

Antworten