Review-Adventkalender #3: Midnight In Paris

Cinematze Review-Adventskalender #3

Midnight in Paris„That’s what the present is. It’s a little unsatisfying because life is unsatisfying.“

Paris, mon amour. Dies trifft auf mich leider nicht zu, denn obwohl ich der französischen Hauptstadt bereits mehrere Besuche abgestattet habe, konnte oder wollte sie mich bislang nie so recht in ihren Bann ziehen. Dank Woody Allen’s aktuellem Film „Midnight In Paris“ bin ich jedoch fest entschlossen, der malerischen Seine-Metropole in absehbarer Zukunft eine weitere Chance zu geben. Nachdem ich mit „Whatever Works“ und „You Will Meet a Tall Dark Stranger“ die beiden letzten Filme des Regiealtmeisters ausgelassen hatte, war es in diesem Jahr mal wieder an der Zeit für eine seiner auf Zelluloid gebannten Gratwanderungen zwischen Melancholie und Neurose.

Zum Inhalt: Der mit seinem Job unzufriedene Hollywood-Drehbuchautor Gil – ein verträumter Nostalgiker und Romantiker, der eigentlich viel lieber ernstzunehmender Schriftsteller wäre – verbringt mit seiner Verlobten Inez den gemeinsamen Urlaub in Paris. Während er sofort gänzlich eingenommen ist vom Zauber, den die Stadt versprüht, hat Inez derweil wenig Verständnis für seine ständigen Schwärmereien (sie ist mehr so der Shopping-Typ) und tut diese als verquere Fantasien ab. Diese grundverschiedenen Auffassungen führen dazu, dass Gil sich eines Nachts alleine durch die Straßen treiben lässt und dabei eine Taxifahrt unternimmt, die sich als märchenhafte Reise in das Paris der zwanziger Jahre entpuppt, wo er auf all seine Idole aus Kunst und Literatur trifft. Eine Reise, die er fortan Nacht für Nacht wiederholt…

“Midnight In Paris” ist vor allem zwei Dinge: Zum einen ist der Film eine liebevolle Hommage an die Stadt der Lichts aus der verklärten Sicht eines Regisseurs, in dem ein ebensolcher naiver Träumer steckt, wie er in seinem Protagonisten zum Ausdruck kommt. Paris ist nach London und Barcelona der dritte Stop auf Allen’s Städtetrip durch Europa, und es ist die erste Stadt, der eine den Schauspielern nahezu gleichberechtigte Rolle zukommt – ganz so wie damals seinem heiß geliebten New York City. Zum anderen ist der Film auf den ersten Blick eine Ode an den Eskapismus, an die Flucht aus der Gegenwart des Alltags mit all seinen nervigen kleinen und großen Problemen in eine längst vergangene, doch offenbar soviel bessere, fast schon magische Zeit.

Doch an dieser Stelle bleibt der Film keineswegs unreflektiert, denn so verlockend der “Früher war alles besser”-Gedanke auch sein mag, muss man sich letztlich doch eingestehen, dass es stets eine idealisierte Version der Vergangenheit ist, die man für erstrebenswerter als das Hier und Jetzt erachtet. “It’s a big trap to think living in an earlier time would be better. There’s no time but right now. It sounds seductive, but it’s a trap.” gestand Allen nach der Premiere in Cannes. Für den geneigten Zuschauer ist es jedoch eine wahre Freude, dem von Owen Wilson mit Perfektion gespielten Gil bei seinen nächtlichen Erlebnissen mit Ernest Hemingway, Pablo Picasso oder Scott und Zelda Fitzgerald zu beobachten. Die absurde Situation des Zeitreisens erlauben es Allen dabei, seine Dialoge sogar noch eine Spur überdrehter zu gestalten als sonst. Bei alledem kommt jedoch auch die Gegenwart nicht zu kurz, wobei hier besonders Rachel McAdams als zickige Verlobte und Michael Sheen als deren pseudointellektuell-schnöseliger Bekannter positiv hervorzuheben sind.

Rating: ★★★★★★★★½☆ 

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2 Kommentare

  1. Roland 10. Dezember 2011

    „früher war alles besser“, dass sagen wohl alle. übrigens hatte auch aristoteles schon angst vor der zukunft der gesellschaft, angesichts dieser jugend „von heute“. wie sich alles wiederholt… 🙂

  2. Matze 10. Dezember 2011 — Autor der Seiten

    Es ist aber manchmal auch wirklich allzu verführerisch, diese trügerische „Weisheit“ zu bemühen… 😉

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