Review-Adventskalender #4: The Innkeepers

Cinematze Review-Adventskalender #4

The Innkeepers

„You mustn’t go down into the basement.“

Mit etwas Verspätung öffnet sich nun Türchen Nummer vier, hinter dem sich mein Review zu „The Innkeepers“ verbirgt. Bevor es losgeht noch eine Warnung: Schaut euch unter keinen Umständen den Trailer an, denn dieser ist ein einziger fieser Spoiler für nahezu alle schaurigen Szenen inklusive des Endes! Dem Film, der selbst in den USA erst im kommenden Jahr offiziell in die Kinos kommt, wird hierzulande wohl das unrühmliche Direct-to-DVD-Schicksal blühen, weshalb es um so wichtiger ist, auf diese kleine Gruselperle hinzuweisen. Regisseur Ti West sorgte vor zwei Jahren mit „House of the Devil“, seiner Verneigung vor dem Horrorkino der 80er Jahre, völlig zu Recht für gehöriges Aufsehen unter Horror-Fans, weshalb die Erwartungen an sein nächstes Projekt entsprechend hoch waren. Würde er sich als neuer Hoffnungsträger in diesem gebeutelten Genre etablieren können? Spoiler: Für mich lautet die Antwort hierauf eindeutig „ja“, denn er hat mit „The Innkeepers“ mal eben den besten Horrorfilm dieses Jahres aus dem Ärmel geschüttelt.

Zum Inhalt: Die perspektiv- und ambitionslosen Hotelangestellten Claire und Luke haben gemeinsam Dienst am letzten Wochenende des alten Hotels „Yankee Pedlar Inn“, das seine besten Tage längst hinter sich hat und deswegen vor der Schließung steht. Während ihr Chef sich im Urlaub vergnügt, vertreiben sich die beiden ihre Zeit hauptsächlich mit der Suche nach dem Geist von Madeline O’Malley, die sich einst in diesem Hotel das Leben nahm und seither – so will es die Legende – nicht zur Ruhe kommt und durch die Korridore spukt. Zunächst haben die beiden damit nur wenig Erfolg, doch nach und nach mehren sich die seltsamen Ereignisse und als dann auch noch zwei eher seltsame Gäste einchecken, ist es plötzlich ganz schnell vorbei mit ihrer Langeweile…

„Clerks“ meets „The Shining“ – Diese auf den ersten Blick eher absurd anmutende Kombination ist nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern dient bereits im Programmheft zur Beschreibung des Films und tatsächlich musste ich im Kinosaal mehrmals an die beiden genannten Referenzen denken. Zwar mögen sie inkompatibel wirken, doch genau deshalb passen sie hervorragend zu „The Innkeepers“, in dem Ti West gekonnt Slacker-Komödie mit klassischer Gruselmär vereint. Er erweist sich dabei als formidabler Geschichtenerzähler und zeichnet die beiden Hauptfiguren derart liebenswert, dass man regelrecht hofft, es möge ihnen nichts zustoßen. Besonders Sara Paxton als niedlich-naive Claire war die Gunst des Publikums in der von mir besuchten Vorstellung von Beginn an Gewiss.

Es macht einfach Spaß, Claire und Luke bei ihrem Treiben im Hotel zu beobachten, was neben den cleveren Dialogen auch zu einem nicht unwesentlichen Teil an der perfekten Chemie der Darsteller liegt. Doch immer dann, wenn der Film Gefahr läuft sein eigentliches Genre allzu sehr aus den Augen zu verlieren, streut West eine Szene ein, die auf subtile Art und Weise ein oftmals nicht näher definierbares Unbehagen beim Zuschauer weckt. Somit wird unaufdringlich aber konstant eine bedrohliche Atmosphäre aufrecht erhalten, die dafür sorgt, dass es nicht unpassend wirkt, wenn im letzten Drittel der Horror vehement in den Vordergrund tritt. Mit dieser betonten Gemächlichkeit setzt der Regisseur ein deutliches Zeichen gegen den inflationären Einsatz der ewig gleichen Strickmuster im Horror-Genre, wie Torture-Porn, Found-Footage oder der stete Remake-Wahn.

Statt literweise Blut, CGI-Overkill, hektischer Schnitte und Wackelcam gibt es sarkastisch-witzige Dialoge, ruhige Kamerafahrten, helle Settings, warme Farben und klassischen Oldschool-Grusel (wobei sich West ein paar klischeehafte „Jump Scares“ nicht verkneifen kann). Käme das Ende nicht nicht so überhastet und unausgegoren daher (wie auch schon bei „House of the Devil“), es wäre mindestens noch ein Stern mehr drin gewesen!

Rating: ★★★★★★★★☆☆ 

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