Review-Adventskalender #8: Super 8

Cinematze Review-Adventskalender #8

Warnung: Das Review kommt diesmal nicht ganz ohne kleinere Spoiler aus, die jedoch meiner Ansicht nach den Filmgenuss nicht trüben (und ich bin in dieser Hinsicht ja extrem empfindlich).

Super 8„Production Value!“

Das erste Kompliment konnte ich Regisseur und Viral Marketing Wizard J.J. Abrams bereits im Vorfeld zu „Super 8“ aussprechen: Ähnlich wie schon bei „Cloverfield“ (den ich übrigens mochte) schaffte er es vorab einen derartigen Hype zu generieren, dass ich den Start dieses Films herbeigesehnt habe wie keinen zweiten in diesem Jahr. Entsprechend groß hätte die Enttäuschung ausfallen können, wäre das ganze in die Hose gegangen, doch „Super 8“ ist mit Abstand der beste Mainstream-Film und Sommer-Blockbuster in 2011. Zwar ist er keineswegs frei von den Problematiken, die den beiden Schlagworten für gewöhnlich anheften, doch fallen diese bei weitem nicht so stark ins Gewicht wie bei anderen Vertretern der Gattung.

Zum Inhalt: Sommer 1979 in einer Kleinstadt irgendwo in Ohio: Joe, der Sohn des lokalen Sherriffs, der erst kürzlich seine Mutter durch einen tödlichen Arbeitsunfall verloren hat, will in den Sommerferien gemeinsam mit einigen weiteren Jungs sowie der umschwärmten Alice den Zombiefilm seines besten Freundes Charles drehen. Als sie hierfür eines Nachts verbotenerweise eine Szene an einem alten Bahnhof außerhalb der Stadt filmen, werden sie Zeuge eines spektakulären Zugunglücks. Wie durch ein Wunder übersteht die Bande den Crash unversehrt, doch nachdem sich der Staub gelegt hat, dröhnt ein furchterregendes Hämmern aus einem der Waggons. Lange können sich die Kids damit jedoch nicht aufhalten, denn kurz darauf müssen sie die Flucht vor dem eintreffenden Militär antreten. Charles Super 8 Kamera lief allerdings die ganze Zeit über weiter und hat einige schockierende Bilder eingefangen…

Spoiler (sort of): Es dürfte jedem klar sein, dass in dem Zug keine 1000 niedlichen Hundebabies eingesperrt waren, sondern irgendeine monströse und ziemlich angepisste Kreatur. Damit wären dann auch bereits die beiden wesentlichen Handlungsstränge abgesteckt. Zum einen gibt es die Geschichte rund um die jugendliche Freundesgruppe, zum anderen den Sci-Fi-Part des ausgebüchsten Monsters. Das größte Problem des Films besteht darin, dass er es bis kurz vor Schluss nicht schafft, diese zwei Erzählungen sinnvoll und stimmig miteinander zu verknüpfen, weshalb das Ende einmal mehr übers Knie gebrochen und unglaubwürdig wirkt. Allerdings vermag dieser Fauxpas die vielen positiven Aspekte der vorangegangen Laufzeit nicht nachhaltig zu mindern.

Selbst wenn der Name Steven Spielberg (den Abrams als Vorbild angibt und der von ihm als Produzent gewonnen werden konnte) nicht vom Plakat prangen würde: Die Homage an dessen Klassiker „The Goonies“ und „E.T.“, oder auch an weitere Filme von ähnlichem Schlag wie „Stand By Me“, ist unverkennbar. Wären nicht die mitunter übertriebenen, zu gleichen Teilen dem Zielpublikum und den eigenen Ansprüchen geschuldeten Effekte, man könnte glatt den Eindruck gewinnen, „Super 8“ damals ebenfalls an einem dieser Sonntagnachmittage auf dem Sofa der Großeltern gesehen zu haben. Dies verdankt der Film zum Großteil den überragenden Jungdarstellern, die allesamt den authentischen Charme der besagten 80er-Jahre Vorbilder versprühen, ohne dabei wie bloße Kopien zu wirken. Joe, Charles, Alice und Co. brauchen sich keinesfalls hinter einem Chunk, einem Elliot oder einem Gordie Lachance zu verstecken! Unterstützung erhalten sie von einem sehr guten Drehbuch, dass sich genügend Zeit für seine Charaktere nimmt.

„Super 8“ schafft somit das, was vielen anderen Blockbustern heutzutage meist misslingt: Er involviert die Zuschauer emotional in das Geschehen, indem er eine Beziehung zwischen ihnen und seinen Figuren aufbaut und uns stets mit diesen mitfiebern lässt. Ein Umstand, der dazu führt, dass auch die eher lahme, teils deplatziert wirkende Story um die mysteriöse Kreatur wohlwollend in Kauf genommen wird.

Rating: ★★★★★★★★☆☆ 

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