Review-Adventskalender #10: Hesher

Cinematze Review-Adventskalender #10

Hesher„Life is like walking in the rain: you can hide and take cover or you can just get wet.“

„Hesher“ ist das Langfilmdebüt von Spencer Susser, der sich bereits 2008 mit dem fantastischen Kurzfilm „I Love Sarah Jane“ die Liebe des Internets (und folglich auch meine) sicherte. Nach zahlreichen Verzögerungen hat es der Film dieses Jahr endlich in die Kinos geschafft und ich war gespannt, ob er meinen äußerst hohen Erwartungen würde genügen können. Aufgrund des Mitwirkens von Joseph Gordon-Levitt und Natalie Portman hatte ich zwar keine allzu großen Bedenken, doch die vielen Querelen im Vorfeld der Veröffentlichung ließen durchaus leise Zweifel aufkommen. Letztlich wurde es nicht der Über-Film, den ich mir erhofft hatte, doch Grund zu Meckern gab es dennoch eher wenig.

Die Mutter des jungen T.J. kam kürzlich bei einem Autounfall ums Leben, was den Teenager und dessen Vater in ein tiefes, depressives Loch stürzen lies. Während der Vater – gelähmt vor Schmerz – jeden Tag in völliger Apathie dahinve­ge­tie­rt und seine Großmutter sichtlich überfordert ist, den Haushalt zu schmeißen und sich um die beiden Trauernden zu kümmern, droht auch T.J. sich gänzlich in seinem Schmerz zu verlieren. Wenn er sich nicht gerade auf dem Schrottplatz in dem Autowrack seiner Mutter aufhält, kanalisiert er seine Wut durch Steinewerfen auf der Baustelle eines halb fertigen Hauses. Dabei trifft er auf den abgefuckten Metalhead Hesher, der dort temporär Domizil bezogen hatte und kurze Zeit später vor T.J.’s Tür auftaucht, um sich unter Androhung von Gewalt gegen dessen Familie dort einzunisten.

Die Prämisse ähnelt ein wenig der von Takashi Miike’s „Visitor Q“: Ein mysteriöser Fremder, dessen Motive zunächst unklar bleiben, tritt urplötzlich in das Leben einer Familie und stellt selbiges gehörig auf den Kopf. Auch im Falle von „Hesher“ bringt das Eintreffen des ungebetenen Gasts Veränderungen für alle Beteiligten mit sich: Heavy Metal und Mittelfinger gegen Trauer und Schmerz! Stellenweise wirkt das ganze zwar ein wenig zu konstruiert und over-the-top, doch dank sehr guter schauspielerischer Leistungen wiegt dieser Umstand nicht sonderlich schwer. Hervorzuheben sind dabei vor allem Newcomer Devin Brochu und natürlich Joseph Gordon-Levitt, dessen Hesher von Peter Travers mit dem Satz „He looks and acts like a cross between Jesus and Charlie Manson“ perfekt beschrieben wird.

Während ich gestern bei „Super“ die Titelsequenz positiv erwähnte, kann „Hesher“ mit seinem liebevoll gestalteten Abspann glänzen. Dieser vermittelt ein gutes Gefühl für die Tonalität des Films und kann bei Interesse im eingebundenen YouTube-Video bestaunt werden (frei von Spoilern, allerdings unbedingt erst ab Sekunde 18 anschauen!).

Rating: ★★★★★★★★☆☆ 

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