Review-Adventskalender #12: Submarine

Cinematze Review-Adventskalender #12

Submarine„My name is Oliver Tate. I suppose it’s a bit of an affectation, but sometimes I wish there was a film crew following my every move.“

„Submarine“ ist das Regiedebüt auf Spielfilmebene von Richard Ayoade, der einigen wohl besser als Über-Nerd Moss aus „The IT Crowd“ bekannt sein dürfte. Ich habe ja einen Faible für Coming-of-Age-Filme, und gepaart mit meiner lästigen Neigung, einzig aufgrund eines sehr guten Trailers eine übertrieben hohe Erwartungshaltung zu entwickeln, hatte „Submarine“ es nicht gerade leicht mit mir. Dass der Film mich dennoch in vielen Belangen restlos überzeugt und es daher auch in meinen Adventskalender geschafft hat, spricht folglich eindeutig für seine Qualität. Ayoade trifft offenbar erstaunlich mühelos fast zu jedem Zeitpunkt den richtigen Ton und schafft so eine ausgewogene Mischung aus „quirky“ Komödie und „teen angst“ Drama.

Wir erleben „Submarine“ durch die Augen des exzentrischen 15-jährigen Außenseiters Oliver Tate (als der er sich in seiner mitunter verzerrten Selbstwahrnehmung übrigens nicht sieht), der zwei Ziele verfolgt: Er will vor seinem sechzehnten Geburtstag seine Jungfräulichkeit verlieren und darüber hinaus die kriselnde Ehe seiner Eltern kitten. Bei Ziel Nummer eins soll ihm möglichst die von ihm angehimmelte Jordana behilflich sein, welche seinen Avancen offenbar nicht abgeneigt gegenüber steht. Das zweite Ziel zu erreichen scheint da deutlich schwieriger erreichbar, denn die Eheprobleme werden durch den Einzug des ehemaligen Schwarms seiner Mutter in die unmittelbare Nachbarschaft zusätzlich verstärkt…

Die Technik, Coming-of-Age-Geschichten aus dem Blickwinkel des Protagonisten zur erzählen und seine Umwelt dementsprechend subjektiv einzufärben ist sicherlich nicht neu, von Ayoade in „Submarine“ jedoch nahezu perfekt umgesetzt. Oliver schwankt stets zwischen frühreifer Coolness und emotionaler Unbeholfenheit, wodurch sein Charakter nie Gefahr läuft, unglaubwürdig oder konstruiert zu wirken. Trotz seiner cleveren Sprüche und altklugen Weisheiten hat er nämlich ein gewaltiges Problem: Zu den Thematiken seiner selbst gesteckten Ziele verfügt er bestenfalls über theoretisches Wissen, was natürlich mehr als einmal zu kuriosen Situationen führt. Auf diese Weise wird auf Seiten des Zuschauers Verständnis sowie stellenweise auch eine gewisse Nachempfindbarkeit erzeugt, was der Figur des Oliver die notwendige Erdung verpasst.

Ein großes Lob gilt dem Casting, denn alle Rollen sind in meinen Augen perfekt besetzt. Neben Craig Roberts als Oliver liefern auch die restlichen Darsteller ausnahmslos eine überragende Leistung ab. Besonders gut gefielen mir dabei Noah Taylor als lethargischen Vaters und Paddy Considine als schräger New-Age-Guru. Doch auch Yasmin Paige als Jordana und Sally Hawkins als Olivers Mutter wissen zu überzeugen. Damit sich nun niemand wundert, wieso ich dem Film bei all dem Lob nicht die Höchstnote verpasst habe, hier noch mein hauptsächlicher Kritikpunkt: Die Coming-of-Age-Story als solche ist nüchtern betrachtet nicht besonders originell, was jedoch angesichts der liebevollen Umsetzung nicht gravierend zu stören vermag.

„Submarine“ wirkt, als hätte Michel Gondry ein Mash-up aus „Rushmore“ und „Scott Pilgrim vs. the World“ verfilmt und sich dabei stilistisch von „Harold and Maude“ sowie der französischen Nouvelle Vague inspirieren lassen. Damit habe ich alle auch andernorts oft genannten Referenzen in einem Satz untergebracht, den ich guten Gewissens als abschließendes Fazit so stehen lassen kann. Trotz alledem gelingt es Richard Ayoade, seinen eigenen Stil einfließen zu lassen, und es würde mich nicht wundern, wenn man ihn in nächster Zeit öfter hinter als vor der Kamera findet. Erwähnenswert ist schlussendlich auch noch der formidable Soundtrack, welcher von Arctic Monkeys Frontmann Alex Turner zum Film beigesteuert wurde.

Rating: ★★★★★★★★☆☆ 

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