Die besten Filme des SXSW 2012

SXSW 2012
(usprünglich erschienen auf invadermag.com)

Das jährlich in Austin, Texas stattfindende Über-Festival South By Southwest ist nicht nur Sammelbecken für Musikenthusiasten und die digitale Avantgarde, sondern auch ein beliebtes Reiseziel für Film-Geeks. Der Fokus des Segments “SXSW Film” liegt dabei überwiegend auf vielversprechenden Regiedebütanten und so manche später weltweit gefeierte Genre-Perle hatte dort ihre Weltpremiere (Ein aktuelles Beispiel ist die letztjährige Aliens-vs-Vorstadt-Kids Sci-Fi-Komödie “Attack the Block”).

Damit ihr jetzt schon wisst, nach welchen Streifen ihr in Zukunft Ausschau halten solltet (sofern ihnen denn eine Veröffentlichung abseits des Festivals vergönnt ist), habe ich mich für euch durch das diesjährige Programm gekämpft und aus über 130 Langfilmen meine 15 Favoriten rausgepickt. Da ein Flugticket nicht im Budget drin war, erfolgte die Auswahl aufgrund von Trailern, Reviews, einer etwaigen Vorliebe für involvierte Darsteller oder Regisseure sowie höchst-subjektivem Bauchgefühl.

21 Jump Street

21 Jump Street

Die Verfilmung einer TV-Serie der 80er oder 90er ruft bei mir üblicherweise zunächst einen Abwehrreflex hervor. Umso positiver überrascht war ich, dass ich während des Trailers zu “21 Jump Street” (der eigentlich nur die Grundprämisse aufgreift und daraus eine Buddy-Komödie macht) tatsächlich mehrmals laut auflachen musste. Ähnlich überrascht schein auch ein Großteil der Kritiker, die der Weltpremiere auf dem SXSW beiwohnten und vereinzelt sogar von der bislang besten Komödie des Jahres sprachen.

The Agression Scale

The Aggression Scale

Vier schwerbewaffnete Auftragskiller, zwei Teenager, 500.000 Dollar. Die Plot-Beschreibung von “The Agression Scale” liest sich wie eine R-Rated Fassung von “Home Alone”, in etwa als wäre Kevin McAllister nicht mit Luftgewehr und zerbrochenen Christbaumkugeln, sondern mit abgesägter Schrotflinte und Bärenfallen ausgerüstet. Als Bonus gibt es eine kleine Twin Peaks Reunion durch das Mitwirken von Ray Wise und Dana Ashbrook.

Bernie

Bernie

Für Independent-Ikone Richard Linklater ist das Festival ein Heimspiel: Er gründete 1985 die Austin Film Society und legte damit den Grundstein dafür, dass die Stadt zu einem der wichtigsten Sammelbecken des Independent-Kinos reifte. In seiner schwarzen Komödie “Bernie” spielt Jack Black einen allseits beliebten Bestattungsunternehmer, dessen ungewöhnliche Freundschaft zu einer als kaltherzig verschrienen Witwe unbequeme Folgen nach sich zieht.

Black Pond

Black Pond

Die Sache mit dem schwarzen Humor beherrschen die Briten bekanntlich auch ganz gut, was “Black Pond” erneut und Beweis zu stellen scheint. Hierin sieht sich die dysfunktionale Familie Thompson plötzlich mit einem Mordverdacht konfrontiert, wobei es nicht unbedingt hilfreich ist, dass sie tatsächlich eine Leiche im Wald verscharrt hat. Gerade mal 25.000 britische Pfund hat das Debüt von Tom Kingsley und Will Sharpe gekostet, welches sogar eine BAFTA-Nominierung einheimsen konnte.

The Cabin in the Woods

Cabin in the Woods

Eine Gruppe College-Kids verbringt ein Wochenende in einer einsamen Waldhütte, die sich schnell als doch nicht ganz so einsam entpuppt, was sich in Folge negativ auf die Gesundheit der Protagonisten auswirkt. Klingt nach der klischeehaftesten Horrorfilm ever, doch da Joss Whedon als treibende Kraft dahinter steckt, erwarte ich als bekennender Fanboy nicht weniger als die größte Genre-Offenbarung seit Scream.

The Do-Deca-Pentathlon

The Do-Deca-Pentathelon

Die Filme der Duplass Brüder Jay und Mark werden oft dem sogenannten “Mumblecore” Genre zugeordnet, das mitunter als hipsteresk gilt und somit tendenziell abschätzig beäugt wird. Während mit “Jeff, Who Lives At Home” auch ein größerer Film in den Startlöchern steht, sind sie im SXSW Programm mit “The Do-Deca-Pentathlon” vertreten, in dem zwei wetteifernde Brüder eine private Olympiade mit insgesamt 25 mehr oder weniger absurden Aufgaben abhalten.

Eden

Eden

Basierend auf einer wahren Geschichte, wagt “Eden” einen schonungslosen Blick in die dunklen Abgründe von Menschenhandels und Zwangsprostitution. Das Drama wurde mit dem Publikumspreis in der Kategorie “Narrative Feature” ausgezeichnet und zudem wurde Jamie Chung von der Jury für ihre Darstellung der gekidnappten Schülerin Chong Kim ausgezeichnet, die sich mittels des Gewinns von Vertrauen und Respekt seitens ihrer Peiniger das Überleben sichert.

Extracted

Extracted

Sci-Fi-Filme, in denen Träume, Gedanken oder Erinnerungen besucht, gelesen oder manipuliert werden, müssen sich künftig wohl oder übel an “Inception” messen lassen. Auch “Extracted” ist da keine Ausnahme und klingt zunächst eindeutig von Chris Nolans Blockbuster inspiriert: Ein Wissenschaftler, der eine Maschine zum Aufspüren unterdrückter und versteckter Erinnerungen erfunden hat, wird im Geist eines Drogenabhängigen und potentiellen Mörders gefangen, woraufhin er fortan über vier Jahre lang nach einem Ausweg zurück zu seiner Familie sucht. Ich bin gespannt, wie sich die Low-Budget-Produktion angesichts der übermächtigen Referenz schlägt.

Fat Kid Rules The World

Fat Kid Rules the World

Coming-of-Age und Dramedy sind zwei Schlagworte, die besonders im Indie-Bereich häufig eine fruchtbare Liaison eingehen, für die ich eine gewisse Vorliebe nicht leugnen kann. In Matthew Lillards Regiedebüt “Fat Kid Rules The World” freundet sich ein suizidgefährdeter, übergewichtiger Teenager mit einem Pillen schluckenden Punkrocker, nachdem dieser ihn vor einem absichtlichen Zusammenstoß mit einem Bus bewahrt. Kurz darauf avanciert der Gerettete zum gefeierten Schlagzeuger in der Band des Junkies. Klingt für mich zu gleichen Teilen abwegig und wunderbar.

http://www.youtube.com/watch?v=d-SQ0pgjXm0

Gimme The Loot

Gimme the Loot

Nachdem das neueste Piece der beiden Sprayer-Kids Maclom und Sofia aus der Bronx von einer rivalisierenden Gang übermalt wurde, ersinnen die beiden den ultimativen Racheplan, mit dem sie zu den größten Graffiti-Artists der Stadt aufsteigen wollen. New York, Graffiti, Sommer und als Vorlage für den Filmtitel diente ein Biggie Smalls Track? Count me in!

God Bless America

God Bless America

Ob religiöse Spinner oder hirnlose Reality-TV-Zombies – in Franks Augen läuft in den USA heutzutage so einiges schief, weshalb in ihm der Entschluss keimt, noch möglichst viele dieser degenerierten Gestalten über den Jordan zu schicken, ehe er selbst seinem Krebsleiden erliegt. Unerwartete Unterstützung erhält er dabei von der erst 16-jährigen Roxy, die seine Sicht vom Verfall der Gesellschaft teilt. “God Bless America” ist bitterböse Satire irgendwo zwischen “Falling Down”, “Bonnie & Clyde” und “Super”.

The Imposter

The Imposter

“The Imposter” liegt eine wahre Begebenheit zu Grunde, die so bizarr ist, dass es enorm schwer fällt, sie zu glauben. 1994 verschwindet ein 13-jähriger Junge aus San Antonio spurlos und ist jahrelang wie vom Erdboden verschluckt. 1997 taucht er scheinbar wie aus dem Nichts in einer spanischen Kleinstadt auf und wird – trotz seines Akzents und stark veränderten Aussehens – von der Familie als ihr Sohn anerkannt und zurück in sein vermeintliches Zuhause gebracht. Mehr Infos solle man sich für einen ungetrübten Filmgenuss nicht besorgen, was angesichts der durchweg überschwänglichen Kritiken in Ordnung gehen dürfte.

http://www.youtube.com/watch?v=auG_IuMHGZo

Killer Joe

Killer Joe

Regie-Altmeister William Friedkin begibt sich mit “Killer Joe” auf Noir-Terrain der Marke Coen. Ob es dem 79-Jährigen gelingt, dem gängigen Genre-Cocktail aus Sex, Drogen und Mord eine neue Note zu verpassen ist dabei mindestens genau so spannend wie die Frage, ob Matthew McConaughey es mit seiner momentanen Rollenauswahl schaffen wird, das zwischenzeitliche Image als “dieser Rom-Com-Typ” abzustreifen.

The Raid: Redemption

The Raid: Redemption

“1 Ruthless Crime Lord, 20 Elite Cops, 30 Floors of Chaos” – Die Tagline von “The Raid: Redemption” klingt im Grunde mehr nach einem Videospiel, doch es handelt sich um einen indonesischen Martial Arts Thriller der Extraklasse. Glaubt man den zahlreichen positiven Reviews, in denen die Rezensenten durch die Bank weg nur in Superlativen schreiben, dann erwartet uns nichts Geringeres als der herausragende Action-Kultfilm dieser Generation.

http://www.youtube.com/watch?v=v0hSL3a_kaw

Electrick Children

Electrick Children

Mein Wildcard-Pick. Coming-of-Age Story um ein schwangeres Mormonen-Mädchen, die an eine unbefleckte Empfängnis als Folge des Anhörens einer Kassette mit “verbotener” Rockmusik. glaubt. Als sie zwangsverheiratet werden soll, läuft sie kurzerhand davon ins nahegelegen Las Vegas, um dort dem Sänger des mysteriösen Tapes ausfindig zu machen…

Runner-Ups:
John Dies At The End, Safety Not Guaranteed, Sleepwalk With Me, Sun Don’t Shine, V/H/S

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