„Following“ und „Let the Right One In“ bei ARTE+7

Bevor ich mich gleich auf die Suche nach irgendeiner Form von Nachtleben in der Kleinstadt begebe, noch zwei Empfehlungen für all diejenigen, die ihre heimischen vier Wände heute Abend partout nicht mehr verlassen wollen: Bei ARTE+7 gibt es derzeit Christopher Nolans Regiedebüt „Following“ aus dem Jahre 1998 sowie den großartigen Coming-of-Age Vampirfilm „Let the Right One In“ („So finster die Nacht“) für sieben Tage in der Mediathek.

Der einsame und arbeitslose Schriftsteller Bill, ein Mann von melancholischer Erscheinung, folgt wahllos fremden Menschen quer durch London. Er ist fasziniert davon, in das Leben anderer einzutauchen und findet in diesem ungewöhnlichen Hobby außerdem Inspiration für sein Schreiben.
Was als spontaner Einfall begann, entwickelt sich zu einem regelrechten Zwang. Um sich nicht in dieser Art von Voyeurismus zu verlieren, versucht Bill, dem Kontrollverlust entgegenzuwirken, indem er feste Regeln aufstellt, wie: „Folge niemandem öfter als einmal“. Doch eines Tages folgt er dem smarten Cobb, der sich als Einbrecher und Trickser herausstellt und auffällig viel Interesse für das Leben seiner Opfer zeigt. Bill ist fasziniert und bricht seine selbst aufgestellte Regel. Cobb kann nicht entgehen, dass er verfolgt wird – und er beginnt, sich für Bill zu interessieren. Der fühlt sich Cobb seelenverwandt und merkt gar nicht, dass er zunehmend zu seinem Komplizen wird. Als er sich zusätzlich in eine durchtriebene „Femme fatale“ verliebt, in deren Haus der erste gemeinsame Einbruch mit Cobb stattfindet, nimmt das anfänglich harmlos wirkende Versteckspiel verheerende Maße an.

Für den schüchternen Oskar ist das seltsam zurückgezogene Mädchen Eli, das neu in die Nachbarschaft gezogen ist, die einzige gleichaltrige Vertrauensperson. In der Schule wird der Zwölfjährige immer wieder Mobbingopfer seiner Klassenkameraden. Schläge und verbale Hänseleien sind an der Tagesordnung. Aus Angst lässt sich Oskar immer neue Ausreden einfallen, warum er mit Schrammen im Gesicht nach Hause kommt. Als Scheidungskind kann er jedoch weder bei seiner Mutter, die zwar fürsorglich, gleichzeitig aber vielbeschäftigt ist, noch bei seinem trinkenden Vater Geborgenheit finden. Nachdem er Eli das erste Mal auf dem Hof seines Wohnblocks begegnet, entwickelt sich eine stetig wachsende Beziehung. Sie hören einander zu, verbringen immer mehr Zeit miteinander und bauen nach und nach Vertrauen zueinander auf. Eine tiefe Verbindung entsteht zwischen den beiden, die sich auch nicht ändert, als Oskar realisiert, dass Eli ein Vampir ist. Ganz im Gegenteil: Eli erweist sich als Beschützerin und nachdem er Eli von seinen Peinigern erzählt hat, bestärkt sie Oskar darin, sich endlich zur Wehr zu setzen. Sie selbst kämpft mit ihren eigenen Dämonen, da sie immerzu zwischen ihrem unbändigen Bluthunger und dem Wunsch, ein normales, menschliches Leben zu führen, steht.
Mit neuem Mut und der neu gewonnenen Freundin im Rücken, setzt Oskar den Plan, sich gegen seine Klassenkameraden zu wehren, mit Gewalt um.
Wut und Einsamkeit gepaart mit neuer Hoffnung lassen einen Kreis entstehen, in dem die Grenzen zwischen Tätern und Opfern verschmelzen.

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