The Sound of 2013 – Volume 1

The Sound of 2013

Photo Credit: kT LindSAy cc

Ich bin ein bekennender Fan der musikalischen Ausblicke, die zu Beginn eines jeden Jahres die Musikblogs und -magazine füllen. Schließlich ist es heutzutage schier unmöglich geworden, auch nur ansatzweise den Überblick über die unzähligen vielversprechenden Künstler zu behalten, sofern man sein Geld nicht gerade in der Branche verdient. Mit definitiven Aussagen tue ich mir jedoch etwas schwer, immerhin hat das neue Jahr bei Veröffentlichung solch orakelnder Bestenlisten kaum angefangen, wie soll man da also bereits wissen, was noch alles Tolles kommen wird? Meiner eigenen Zusammenstellung habe ich deshalb in weiser Voraussicht den Zusatz „Volume 1“ verpasst – weitere Beiträge dieser Art werden sicherlich folgen.

#1 ▽ ATLAS

Laut Facebook-Beschreibung sind Atlas im Kern ein Duo aus Nottingham und Leeds, doch meiner Meinung nach muss Sängerin Emily Harris zwingend als fester Bestandteil dazu gezählt werden, denn ohne ihre großartige Stimme wären Atlas sicherlich nicht auf dieser Liste gelandet. Auf ihre Debüt-EP „Cities“ vom vergangenen August folgte vor einigen Tagen eine neue EP namens „Feel Me / Don’t Explain“. Beide Tracks gibt es unten in voller Länge und als Bonus noch ein überaus gelungenes Frank Ocean Cover gratis obendrauf.

#2 ▽ BEDROOM

Was läge für einen so genannten „bedroom producer“ näher, als seine musikalischen Ergüsse unter dem Pseudonym Bedroom zu veröffentlichen? Eben. An Konsequenz mangelt es dem 17-jährigen Noah Kittinger aus Nashville also ebenso wenig wie an Talent. Letzteres stellt er mit seiner aktuellen Veröffentlichung „In My Head“ eindrucksvoll unter Beweis und ich möchte mir jetzt lieber nicht überlegen, was ich eigentlich mit 17 Glorreiches vollbracht habe.

#3 ▽ DIANA

Wer glaubt, Chillwave wäre als kurzlebige Modeerscheinung endgültig ad acta gelegt, wird von Diana aus Toronto eines Besseren belehrt. Nicht, dass ich für die zwanghafte Zuweisung zweifelhafter Genres besonders viel übrig hätte, aber wenn man unbedingt jemanden in diese Schublade stecken muss, dann sind Diana, diese wunderbare Mischung aus Destroyer, Friends und Toro Y Moi, prädestiniert dafür. Die offizielle Debüt-Single „Born Again“ ist eines des ersten Highlights des noch jungen Jahres.

#4 + #5 ▽ DISCLOSURE & ALUNAGEORGE

Disclosure und AlunaGeorge sind wahrlich keine Geheimtipps mehr und besonders erstgenannte haben in 2012 mit einer Reihe von Killer-Tracks regelmäßig begeistert. Doch da der richtig große Durchbruch für beide dank jeweils erscheinender Debütalben noch bevorstehen dürfte, sollen sie auf meiner Liste nicht fehlen. Praktischerweise haben sie mit „White Noise“ auch gerade einen gemeinsamen Song am Start (der jedoch, gemessen an dem bisherigen Output, tatsächlich eher unspektakulär daher kommt).

#6 ▽ DYME-A-DUZIN

A Portrait Of Donnovan

Dyme-A-Duzin ist einer von zwei jungen Rappern in dieser Auwahl, die mich in feinster 90s-Hip-Hop-Nostalgie schwelgen lassen. Unten findet ihr die Videos zu „New Brookyn“ und „Swank Sinatra“, zwei der stärksten Tracks auf seinem kürzlich veröffentlichten Mixtape „A Portrait Of Donnovan“, welches auf seiner Homepage als Gratis-Download bereitsteht.


#7 ▽ FLUME

Der junge Australische Produzent Flume ist spätestens seit dem Release seines Debütalbums im vergangenen Jahr den Conoisseuren elektronischer Musik ein fester Begriff – nicht ohne Grund landete er im „Top Artist 2012“ Ranking von Beatport auf Platz zwei. In 2013 folgt nun der obligatorische, viel gefeierte Gig auf dem Melt! (fingers crossed), der ihm auch hierzulande zu verdientem Ruhm verhelfen wird.

#8 ▽ HAERTS

Trotz des Zeitalters schnelllebiger Hypes, schaffen es nicht viele Bands mit nur einem Song die Musik-Blogosphäre in kollektiven Aufruhr zu versetzen. Insofern kann man gar nicht anders, als HAERTS aus Brooklyn in diesem Jahr dick auf dem Zettel zu haben. Bei Facebook werden insgesamt fünf Bandmitglieder gelistet, Neon Gold hingegen spricht von einem „boy-girl duo“ (übrigens mit deutschen Wurzeln), weshalb ich davon ausgehe, dass Christina Fabi und Benjamin Gebert, formals als Folk-Duo Nini + Ben unterwegs, den Kern der Truppe bilden.

#9 ▽ HAIM

Zu den Haim Schwestern brauche ich nicht viel zu schreiben, immerhin landeten sie beim „Sound of 2013“ der BBC auf Platz eins und wurden auch schon von der hiesigen Musikpresse zum Objekt der Begierde auserkoren. Mein persönliches Guilty Pleasure auf dieser Liste, aber „Forever“ ist schlicht Pop in Perfektion.

#10 ▽ JACK MAGMA

Nun ist es nicht unbedingt unüblich, dass es zu jungen, aufstrebenden Produzenten und Bands kaum Infos im Netz zu finden gibt, der gute Jack Magma ist allerdings ein besonderer Härtefall: Ein Twitter-Account mit einer nichtssagenden Beschreibung („The Grand Wizard of Sonic Artistry…The Cat-Faced Grimlin“) und ein SoundCloud-Profil mit exakt einem Song namens „Cat Gotcha Tongue?!?“. Eben dieser sorgt jedoch dafür, dass jeder zweite Jack Magma gewidmete Artikel einen Jai Paul Vergleich bemüht, was nun nicht die schlechteste Referenz ist.

#11 ▽ JOEY BADA$$

Mit gerade mal 18 Lenzen klingt Joey Bada$$, als wäre er bereits zu Hip-Hops Hochzeit in den Neunzigern ein alter Hase gewesen. Folgerichtig stammt der Beat zu seinem neuesten Track „Unorthodox“ dann auch von niemand geringerem als der lebenden Legende DJ Premier. Das 2012er Mixtape „1999“ gibt’s nach wie vor für lau, etwa bei DatPiff.

#12 ▽ KATE BOY

Wem der neue The Knife Track „Full of Fire“ zu sperrig und avantgardistisch sein sollte, der greift stattdessen einfach zu Kate Boy, die mal eben mühelos den Sound von „Silent Shout“ mit kontemporärem Pop verheiraten. Ihre Debüt-Single „Northern Lights“ landete mit etwas Verspätung auf meinem Radar, dafür jedoch umso nachdrücklicher.

#13 ▽ PALE

Beim bereits empfohlenen UK-Duo Pale bleibt zunächst mal alles beim Alten: Auch der dritte Song names „Gold“ glänzt auf voller Linie und nähere Bandinfos sind weiterhin quasi nicht vorhanden.

#14 ▽ PACIFIC AIR

Zwar kam nach ihrer „Long Live Koko EP“, die sie noch unter dem alten Bandnamen KO KO veröffentlichten, bis dato nichts Neues mehr nach, doch mit „Float“ haben Pacific Air vielleicht den besten Popsong in 2012 abgeliefert, was sie selbstverständlich auch in diesem Jahr zu heißen Watchlist-Kandidaten macht.

#15 ▽ PAPERFANGS

Melancholie ist bekanntlich immer en vogue und die Finnen von Paperfangs haben jede Menge davon (möglicherweise dem Wetter im hohen Norden geschuldet). Nach der selbst veröffentlichten Debüt-EP AAVVAV folgt nun im Februar das Album „Past Perfect“, von dem auch das fantastische „Bathe In Glory“ stammt.

#16 ▽ MØ

Die 23-jährige Dänin Karen Marie Ørsted alias als Schnittmenge aus Lykke Li, Grimes und Purity Ring zu bezeichnen ist sicherlich zu kurz gegriffen, doch in Ermangelung cleverer Worte will ich es fürs Erste dabei belassen.

#17 ▽ RHYE

Rhye haben das Kunststück geschafft, mit ihren ersten beiden Tracks überhaupt – „Open“ und „The Fall“ – zwei der besten Lieder des vergangenen Jahres zu schreiben. Anfang März erscheint das zugehörige Debütalbum mit dem simplen Titel „Woman“ und wenn das Qualitätsniveau gehalten werden kann, wir es eines der Alben des Jahres.

#18 ▽ RYAN HEMSWORTH

Ryan Hemsworth’s „Last Words“ EP war eines meiner meist gefeierten Releases im vergangenen Jahr. Dazu kamen noch einige nicht minder gute Remixe und Bootlegs und da der talentierte Kanadische Beat-Bastler im neuen Jahr gerade so weiter zu machen scheint, wie der unten zu findende Remix für Cat Power beweist, ist ihm Platz auf meiner Liste gewiss.

#19 ▽ SHLOHMO

Auch der in Los Angeles ansässige Produzent Shlohmo ruht sich nicht auf den Lorbeeren aus, die er 2012 dank seiner „Vacation EP“ ernten konnte und legt bereits im März mit einer neuen EP namens „Laid Out“ nach. Als erste Kostprobe davon gibt es den Track „Later“ im YouTube-Stream.

#20 ▽ SHORT STORIES

Short Stories ist eine Kollaboration zwischen Koreless und Sampha (aka die Live-Stimme von SBTRKT). Das Resultat klingt genau so gut, wie man erwarten würde, sofern man das musikalische Schaffen der beiden kennt.

#21 ▽ SHY GIRLS

Shy Girls aus Portland machen Hipster-esquen R&B à la How To Dress Well, dem ich ja bekanntlich nicht immer etwas abgewinnen kann, der in diesem Fall allerdings bestens für mich funktioniert.

#22 ▽ SIR SLY

Bis vor knapp drei Wochen waren Sir Sly ein weiterer „unsigned hype“ mit nicht-existenten Hintergrundinfos. Dank einer bevorstehender Veröffentlichung ihrer ersten Single „Ghost“ auf Neon Gold ist das Trio aus L.A. nun nicht länger namenlos. Im Stream gibt’s neben dem Titeltrack noch die B-Seite „Gold“ und die digitalen Dreingabe „Where I’m Going“.

#23 ▽ S O H N

Sofern man auf einer solchen Favoriten-Liste überhaupt noch weiter differenzieren kann, gehört S O H N für mich zu den musikalischen Hoffnungsträgern für 2013. Alle bislang veröffentlichten Tracks sind von herausragender Qualität und ich kann kaum abwarten, was da als nächstes kommen wird (sein aktueller Facebook-Status verheißt Gutes: „Getting itchy feet. I guess it’s time for new music soon.“).

#24 ▽ WAYWARD

Wayward geizen ebenfalls mit näheren Angaben zum Projekt, doch da ihr erster und bislang einziger Song „Only Flaw“ an Bondax oder Cyril Hahn erinnert und dann auch noch kostenlos runtergeladen werden kann, fällt die Sache mit dem Hype nicht sonderlich schwer.

#25 ▽ ZEBRA KATZ

Nach den minimalistischen Monstern „Ima Read“ und „W8WTF“ legt Zebra Katz mit „Pulla Stunt“ in ähnlicher Manier nach und ich bin mir ziemlich sicher, dass Patrick Bateman im Zeitalter von Tumblr statt Phil Collins und Huey Lewis & The News exakt diese Musik gehört hätte.

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2 Kommentare

  1. Deca 14. Februar 2013

    Wie haargenau du den puls der zeit getroffen hast. eine geniale auswahl. uns erwartet ein, rein musikalisch gesehen, prächtiges jahr 2013

  2. Matze 14. Februar 2013 — Autor der Seiten

    <3

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