Rdio vs. Spotify: Rdi-OH!, Spoti-BYE!

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Ich hatte dank der Bereitstellung eines Rdio Unlimited Accounts unlängst die Gelegenheit den blau-weißen Musik-Streaming-Dienst auf Herz und Nieren zu prüfen, und nachdem ich zwischenzeitlich wieder vollständig zu iTunes zurückgekehrt war, durfte Rdio in den vergangenen Wochen nun zeigen, ob sich Platzhirsch Spotify berechtigte Sorgen um seinen bislang unangefochtenen Platz auf meiner Festplatte machen musste.

Wer die Überschrift aufmerksam gelesen hat, kennt das Resultat dieses kleinen Experiments bereits. Rdio hat es tatsächlich geschafft, Spotify als meine Go-to App in Sachen Musik-Streaming abzulösen. Ich war seit längerem unzufrieden mit Spotify (Playlisten-Konzept, miese Usability, triste iOS-Apps, Fokus auf soziale Komponente), so dass ich einer Veränderung in diesem Bereich grundsätzlich offen gegenüber stand, doch natürlich ist auch bei Rdio fraglos noch Luft nach oben. Deshalb zunächst mal eine Auflistung, weshalb mich Rdio manchmal nervt:

Keine unterbrechungsfreie Wiedergabe (Gapless playback): Im Normalfall nicht störend, bei gemixten Alben oder Compilations ist es allerdings fast schon ein K.O.-Kriterium, wenn der eigentlich smoothe Mix bzw. das Gesamtkonzept des Albums immer wieder von ein bis zwei Sekunden nerviger Stille unterbrochen wird.

Playlisten-Verwaltung und -Sortierung: Ein Bereich, in dem dringend nachgebessert werden muss! Weder lassen sich zwei oder mehr Songs auf einmal per Drag-and-Drop in eine Playlist befördern, noch können zwei Playlists auf diesem Wege zusammengeführt werden. Hat man es dann endlich geschafft, sich seine Wiedergabeliste wie gewünscht zusammenzustellen, muss man mit Schrecken feststellen, dass es keinerlei Möglichkeit gibt, diese irgendwie anzuordnen (z.B. nach Titel oder Interpret). Von iTunes und Spotify ist man gewöhnt, eine Playlist durch einen simplen Klick auf den jeweiligen Spaltenkopf entsprechend zu sortieren – bei Rdio ist dies schlicht nicht möglich. Chrome-Nutzer können sich immerhin mit der Erweiterung „Rdio Enhancer“ behelfen, welche in der Web-Variante neben verschiedenen Sortierungsmöglichkeiten unter anderem eine Funktion zum Aufspüren von Duplikaten in Playlists ergänzt – ein Feature, das ich mir ebenfalls standardmäßig in Rdio wünschen würde.

Offline-Hören am Rechner: Während Spotify Musik, die zur Synchronisation mit Mobilgeräten ausgewählt wird, auch offline am Rechner verfügbar macht, fehlt diese Funktionalität bei Rdio. Besonders bei Bahnfahrten kam mir das Offline-Hören gecacheter Musik jedoch schon häufig sehr gelegen (um nicht MacBook und iPhone gleichzeitig bemühen zu müssen), weshalb ich diese Möglichkeit bei Rdio durchaus vermisse.

Starred Tracks: Eine Playlist mit Lieblingsliedern – bei Spotify simpel aber genial gelöst: Ein kurzer Klick auf den Stern, der sich neben jedem Track befindet, und schon wandert dieser in die Liste mit den persönlichen Favoriten. Bei Rdio habe ich das ganze über eine „Favorites“-Playlist gelöst, was im Vergleich eher umständlich anmutet.

Keine Integration von lokalen Dateien: Ein zweischneidiges Schwert. Spotify kann fehlende Titel des eigenen Katalogs durch lokale Dateien von der Festplatte ergänzen. Prinzipiell eine feine Sache, in der Praxis ist diese Integration hingegen für mein Empfinden nicht wirklich gut gelungen. Rdio verzichtet gleich gänzlich darauf, womit ich dank des umfangreichen Angebots die meiste Zeit auch ganz gut leben kann. Dennoch wäre das Feature – eine vernünftige Implementierung vorausgesetzt – wünschenswert, damit iTunes nicht immer parallel laufen muss.

Zu guter Letzt mangelt es noch an einer Exportfunktion für die Musiksammlung. Sprich: Falls Rdio eines Tages meinen Account verschlampt oder ähnlich verheerenden Mist baut, wäre dies deutlich weniger tragisch, wenn ich ein Backup meiner mühsam zusammengestellten und sorgfältig gepflegten Musiksammlung im XML-, CSV-, TXT- oder einem ähnlichen, möglichst offenen Format auf der Festplatte liegen hätte.

Es gibt also wie man sieht einiges, mit dem ich derzeit noch nicht wirklich zufrieden bin. Wieso also nehme ich diese Defizite, die bei einer Benutzung von Spotify weitgehend hinfällig wären, willentlich in Kauf? Hier nun die Gründe, warum ich mich letzten Endes für Rdio entschieden habe.

Die Sammlung: Das Killer-Feature in meinen Augen. Bei Spotify musste ich aberhundert Playlists für einzelne Alben anlegen, Rdio lässt mich meine komplette Musik optisch ansprechend aufbereitet an einer zentralen Stelle sammeln. Und im Gegensatz zu Rdio-Playlists kann ich die Sammlung sogar nach diversen Kriterien sortieren. Braucht sicherlich nicht jeder, für mich ist dieser virtuelle Plattenschrank allerdings ein absolutes Must-Have.

rdio Sammlung

Design & Usability: Der zweite ausschlaggebende Grund für meinen Wechsel zu Rdio. Optik und Benutzbarkeit – sowohl am Desktop als auch auf iOS-Devices – sind um ein vielfaches besser als bei Spotify. Das ist natürlich Geschmackssache, ich möchte das aufgeräumte, sexy Design und die überwiegend klare, schlüssige Benutzerführung jedenfalls nicht mehr missen.

rdio for iOS

Notifications: Während Benachrichtigungen bei Spotify hautptsächlich dazu dienen, die Social-Komponente des Diensts zu pushen, taugt das Feature bei Rdio als sinnvolle Ergänzug zur Sammlung. Hier werde ich nämlich immer dann informiert, sobald neue Musik von Künstlern, die sich bereits in meiner Sammlung befinden, im Rdio-Katalog hinzukommt.

Sync-Prozedere: Gehört im Grunde zu Usability, doch ich will diesen Punkt noch mal gesondert hervorheben, da mich der Vorgang bei Spotify stets genervt hat. Bei Rdio geht alles völlig schmerzfrei und bequem von der Hand: Ein Klick auf den entsprechenden Button eines beliebigen Albums oder einer Playlist und schon wird das ganze vorgemerkt und beim nächsten Abgleich synchronisiert.

Jetzt mal Butter bei die Fische! Wer hat mehr Musik zu bieten – Rdio oder Spotify?

Momentan scheint Spotify bei dieser Frage nach wie vor die Nase vorn zu haben, allerdings hat Rdio seit seinem Deutschlandstart ordentlich aufgeholt. Von mehreren Hundert Alben (500+), die ich bei Spotify in Form von Playlists angesammelt hatte, fehlen mir bei Rdio gerade mal 40 Stück – großteils mehr oder weniger obskure Singles und EPs. Der prominenteste Abwesende ist wohl das aktuelle Tame Impala Album „Lonerism“, aber das habe ich mir eh gekauft. Und für Mixtapes, inoffizielle Remixe, Bandcamp-Veröffentlichungen, Bootlegs, etc. muss ich ohnehin auch künftig eine iTunes-Bibliothek unterhalten, daher finde ich es nicht weiter tragisch, falls ab und an mal etwas bei Rdio fehlt.

Bottom Line: Trotz der eingangs ausführlich aufgelisteten Kritikpunkte, fällt meine Entscheidung aktuell relativ eindeutig zu Gunsten von Rdio aus, denn was nützen mir Features, wenn das Gesamterlebnis unrund ist? Insofern bleibt zu hoffen, dass Rdio seiner minimalistischen Ausrichtung hinsichtlich des Designs treu bleibt und lästige Unzulänglichkeiten beim Funktionsumfang in naher Zukunft ausmerzt. Im Footer des Blogs findet ihr entsprechend ab sofort meine neue Cinematze-Rdio-Playlist, die ich häufiger aktualisieren werde, als es bei der Spotify-Playlist der Fall war. Versprochen!

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6 Kommentare

  1. Anna 3. Juni 2013

    Heißt das, dass die Spotify Playlist nun gone ist? 🙁 Oder bleibt die, wird aber nicht mehr aktualisiert?

  2. Matze 3. Juni 2013 — Autor der Seiten

    Mal schauen, was ich mit der anstelle. Löschen eher nicht, also keine Panik 😉

  3. JK27 11. Juni 2013

    Überlege gerade wo ich mich dauerhaft niederlasse… Das ist echt mal ne harte Entscheidung, die Sortierung nach Alben ist an sich ein absolutes Muss, ich möchte aber wenn ich schon zahle nicht mehrgleisig fahren, daher ist mir auch der Import eigener Dateien sehr wichtig… Du sagst, dass diese bei Spotify zwar vorhanden jedoch schlecht umgesetzt ist, was genau heißt das?

    Greetz

  4. Matze 12. Juni 2013 — Autor der Seiten

    Hm, schwer in Worte zu fassen, könnte eine sehr subjektive Einschätzung sein und für andere mag die Integration der lokalen Dateien durchaus passen. Am besten mal ’nen Account bei Spotify anlegen, die Software runterladen und selbst anschauen – geht dank der werbefinanzierten Kostenlos-Variante ja recht problemlos.

  5. JK27 12. Juni 2013

    Moin, hab ich gemacht, nen Monat gratis Premium gabs auch und ich werde wohl bleiben. Grund ist die Möglichkeit, Ordner für Playlists anlegen zu können. Das ist zwar optisch nicht superschön, kommt aber der Ordnersortierung die ich bisher auf dem Rechner hatte sehr nahe. Vielleicht wird hier in Zukunft ja auch noch etwas nachgebessert. Zudem fehlt mir genau jene Gruppierungsmöglichkeit bei rdio, wo die Alben zwar schön dargestellt aber komplett in einer Ansicht zusammen sind.

    Vielen Dank für den Artikel und die schnelle Rückmeldung!

    • Matze 12. Juni 2013 — Autor der Seiten

      Gern geschehen 🙂

      Das mit den Playlist-Ordnern stimmt, ist wirklich ein Manko bei Rdio falls man viel mit Playlisten arbeitet.

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