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Review-Adventskalender #5: True Grit

Cinematze Review-Adventskalender #5

Anmerkung: Das mit den verspäteten Türchen wird vermutlich noch öfter vorkommen, denn der Adventskalender gestaltet sich zeitintensiver als ich dachte. Ich garantiere jedoch, dass an Heilig Abend alle 24 Reviews im Blog zu finden sein werden. ☺

True Grit“You must pay for everything in this world, one way and another. There is nothing free, except the grace of God.”

Nachdem ich zuletzt von “A Serious Man” ziemlich enttäuscht war, schaffen es die Gebrüder Coen mit “True Grit” diesmal auch nur deshalb auf meine Jahresbestenliste, da so ein Adventskalender bekanntlich 24 Türchen hat, womit auch Platz für einige nicht ganz so herausragenden Filme bleibt. Objektiv betrachtet gibt es an dem Western kaum etwas auszusetzen: Die Darsteller, allen voran die fantastische Neuentdeckung Hailee Steinfeld, sind gut aufgelegt (Jeff Bridges als chronisch nuschelnder Marshall Rooster Cogburn vielleicht stellenweise sogar zu gut), die Coen’schen Dialoge sind gewohnt pointiert und treffsicher, Inszenierung und Kamera sind über jeglichen Zweifel erhaben. Dennoch hinterließ der Film beileibe nicht einen derart prägenden Eindruck bei mir, wie seinerzeit etwa Miller’s Crossing oder Fargo.

Zum Inhalt: Der Vater der erst 14-jährigen Mattie Ross wurde von einem Tagelöhner names Tom Chaney kaltblütig ermordet, woraufhin das Mädchen erbitterte Rache geschworen hat. Sie wirbt den abgehalfterten Marshall Rooster Cogburn an, der ihr bei der Suche nach dem Mörder behilflich sein soll. Zu dem ungleichen Paar stößt darüber hinaus noch der Texas Ranger LaBoeuf hinzu, der aufgrund eines weiteren Mordes hinter Chaney her ist. Zu dritt nehmen sie die Verfolgung auf…

Es sei vorangestellt, dass ich weder die Literaturvorlage, noch das 1969er Original kenne, für das John Wayne damals übrigens seinen einzigen Oscar erhielt. Insofern konnte ich die 2010er Variante von “True Grit” mit einer größtmöglichen Unbefangenheit angehen. Meine Vermutung ist, dass der Ausgangsstoff, an den sich die Coens angeblich sehr genau hielten, offenbar bereits nicht viel Substanz bietet, denn in Sachen Story passiert während der gesamten 110 Minuten Laufzeit nicht allzu viel. Stattdessen punktet der Film mit großartigen Bildern und atemberaubenden Landschaftsaufnahmen, der nötigen charakterlichen Tiefe seiner Figuren, die sie über gängige Western-Stereotypen hinaus gehen lässt sowie – natürlich – mit den Dialogen.

Hierin wird auch schon mein im Grunde genommen einziger, doch leider recht schwerwiegender Kritikpunkt deutlich, der vermutlich sogar ein wenig unfair ist. Es handelt sich nun mal um einen Coen-Film und dabei denke ich eben nicht in erster Linie an exzellentes Handwerk, sondern an das Schräge, das Absurde, das Überraschende, welches sich für gewöhnlich in ihren Arbeiten findet. An manchen Stellen wird dies zwar angedeutet und der Film wird zu einer Art Mashup, indem er den Balanceakt zwischen Screwball-Komödie und klassischem Western wagt. Letzten Endes bleibt “True Grit” jedoch für meinen Geschmack schlicht zu glatt.

Dies mag nun alles schlechter klingen, als der Film tatsächlich ist, daher möchte ich dieses Review mit folgendem versöhnlichen Zitat von Roger Ebert schließen: “I’m surprised the Coens made this film, so unlike their other work, except in quality.” Wer das Genre mag und nicht ganz so kritisch ist wie ich, wenn es um die Filme der Coen Brüder geht, der darf die Wertung durchaus höher ansetzen.

Rating: ★★★★★★★½☆☆ 

6. Dezember 2011 | Kommentieren

Review-Adventskalender #4: The Innkeepers

Cinematze Review-Adventskalender #4

The Innkeepers

“You mustn’t go down into the basement.”

Mit etwas Verspätung öffnet sich nun Türchen Nummer vier, hinter dem sich mein Review zu “The Innkeepers” verbirgt. Bevor es losgeht noch eine Warnung: Schaut euch unter keinen Umständen den Trailer an, denn dieser ist ein einziger fieser Spoiler für nahezu alle schaurigen Szenen inklusive des Endes! Dem Film, der selbst in den USA erst im kommenden Jahr offiziell in die Kinos kommt, wird hierzulande wohl das unrühmliche Direct-to-DVD-Schicksal blühen, weshalb es um so wichtiger ist, auf diese kleine Gruselperle hinzuweisen. Regisseur Ti West sorgte vor zwei Jahren mit “House of the Devil”, seiner Verneigung vor dem Horrorkino der 80er Jahre, völlig zu Recht für gehöriges Aufsehen unter Horror-Fans, weshalb die Erwartungen an sein nächstes Projekt entsprechend hoch waren. Würde er sich als neuer Hoffnungsträger in diesem gebeutelten Genre etablieren können? Spoiler: Für mich lautet die Antwort hierauf eindeutig “ja”, denn er hat mit “The Innkeepers” mal eben den besten Horrorfilm dieses Jahres aus dem Ärmel geschüttelt.

Zum Inhalt: Die perspektiv- und ambitionslosen Hotelangestellten Claire und Luke haben gemeinsam Dienst am letzten Wochenende des alten Hotels “Yankee Pedlar Inn”, das seine besten Tage längst hinter sich hat und deswegen vor der Schließung steht. Während ihr Chef sich im Urlaub vergnügt, vertreiben sich die beiden ihre Zeit hauptsächlich mit der Suche nach dem Geist von Madeline O’Malley, die sich einst in diesem Hotel das Leben nahm und seither – so will es die Legende – nicht zur Ruhe kommt und durch die Korridore spukt. Zunächst haben die beiden damit nur wenig Erfolg, doch nach und nach mehren sich die seltsamen Ereignisse und als dann auch noch zwei eher seltsame Gäste einchecken, ist es plötzlich ganz schnell vorbei mit ihrer Langeweile…

“Clerks” meets “The Shining” – Diese auf den ersten Blick eher absurd anmutende Kombination ist nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern dient bereits im Programmheft zur Beschreibung des Films und tatsächlich musste ich im Kinosaal mehrmals an die beiden genannten Referenzen denken. Zwar mögen sie inkompatibel wirken, doch genau deshalb passen sie hervorragend zu “The Innkeepers”, in dem Ti West gekonnt Slacker-Komödie mit klassischer Gruselmär vereint. Er erweist sich dabei als formidabler Geschichtenerzähler und zeichnet die beiden Hauptfiguren derart liebenswert, dass man regelrecht hofft, es möge ihnen nichts zustoßen. Besonders Sara Paxton als niedlich-naive Claire war die Gunst des Publikums in der von mir besuchten Vorstellung von Beginn an Gewiss.

Es macht einfach Spaß, Claire und Luke bei ihrem Treiben im Hotel zu beobachten, was neben den cleveren Dialogen auch zu einem nicht unwesentlichen Teil an der perfekten Chemie der Darsteller liegt. Doch immer dann, wenn der Film Gefahr läuft sein eigentliches Genre allzu sehr aus den Augen zu verlieren, streut West eine Szene ein, die auf subtile Art und Weise ein oftmals nicht näher definierbares Unbehagen beim Zuschauer weckt. Somit wird unaufdringlich aber konstant eine bedrohliche Atmosphäre aufrecht erhalten, die dafür sorgt, dass es nicht unpassend wirkt, wenn im letzten Drittel der Horror vehement in den Vordergrund tritt. Mit dieser betonten Gemächlichkeit setzt der Regisseur ein deutliches Zeichen gegen den inflationären Einsatz der ewig gleichen Strickmuster im Horror-Genre, wie Torture-Porn, Found-Footage oder der stete Remake-Wahn.

Statt literweise Blut, CGI-Overkill, hektischer Schnitte und Wackelcam gibt es sarkastisch-witzige Dialoge, ruhige Kamerafahrten, helle Settings, warme Farben und klassischen Oldschool-Grusel (wobei sich West ein paar klischeehafte “Jump Scares” nicht verkneifen kann). Käme das Ende nicht nicht so überhastet und unausgegoren daher (wie auch schon bei “House of the Devil”), es wäre mindestens noch ein Stern mehr drin gewesen!

Rating: ★★★★★★★★☆☆ 

5. Dezember 2011 | Kommentieren

Review-Adventkalender #3: Midnight In Paris

Cinematze Review-Adventskalender #3

Midnight in Paris“That’s what the present is. It’s a little unsatisfying because life is unsatisfying.”

Paris, mon amour. Dies trifft auf mich leider nicht zu, denn obwohl ich der französischen Hauptstadt bereits mehrere Besuche abgestattet habe, konnte oder wollte sie mich bislang nie so recht in ihren Bann ziehen. Dank Woody Allen’s aktuellem Film “Midnight In Paris” bin ich jedoch fest entschlossen, der malerischen Seine-Metropole in absehbarer Zukunft eine weitere Chance zu geben. Nachdem ich mit “Whatever Works” und “You Will Meet a Tall Dark Stranger” die beiden letzten Filme des Regiealtmeisters ausgelassen hatte, war es in diesem Jahr mal wieder an der Zeit für eine seiner auf Zelluloid gebannten Gratwanderungen zwischen Melancholie und Neurose.

Zum Inhalt: Der mit seinem Job unzufriedene Hollywood-Drehbuchautor Gil – ein verträumter Nostalgiker und Romantiker, der eigentlich viel lieber ernstzunehmender Schriftsteller wäre – verbringt mit seiner Verlobten Inez den gemeinsamen Urlaub in Paris. Während er sofort gänzlich eingenommen ist vom Zauber, den die Stadt versprüht, hat Inez derweil wenig Verständnis für seine ständigen Schwärmereien (sie ist mehr so der Shopping-Typ) und tut diese als verquere Fantasien ab. Diese grundverschiedenen Auffassungen führen dazu, dass Gil sich eines Nachts alleine durch die Straßen treiben lässt und dabei eine Taxifahrt unternimmt, die sich als märchenhafte Reise in das Paris der zwanziger Jahre entpuppt, wo er auf all seine Idole aus Kunst und Literatur trifft. Eine Reise, die er fortan Nacht für Nacht wiederholt…

“Midnight In Paris” ist vor allem zwei Dinge: Zum einen ist der Film eine liebevolle Hommage an die Stadt der Lichts aus der verklärten Sicht eines Regisseurs, in dem ein ebensolcher naiver Träumer steckt, wie er in seinem Protagonisten zum Ausdruck kommt. Paris ist nach London und Barcelona der dritte Stop auf Allen’s Städtetrip durch Europa, und es ist die erste Stadt, der eine den Schauspielern nahezu gleichberechtigte Rolle zukommt – ganz so wie damals seinem heiß geliebten New York City. Zum anderen ist der Film auf den ersten Blick eine Ode an den Eskapismus, an die Flucht aus der Gegenwart des Alltags mit all seinen nervigen kleinen und großen Problemen in eine längst vergangene, doch offenbar soviel bessere, fast schon magische Zeit.

Doch an dieser Stelle bleibt der Film keineswegs unreflektiert, denn so verlockend der “Früher war alles besser”-Gedanke auch sein mag, muss man sich letztlich doch eingestehen, dass es stets eine idealisierte Version der Vergangenheit ist, die man für erstrebenswerter als das Hier und Jetzt erachtet. “It’s a big trap to think living in an earlier time would be better. There’s no time but right now. It sounds seductive, but it’s a trap.” gestand Allen nach der Premiere in Cannes. Für den geneigten Zuschauer ist es jedoch eine wahre Freude, dem von Owen Wilson mit Perfektion gespielten Gil bei seinen nächtlichen Erlebnissen mit Ernest Hemingway, Pablo Picasso oder Scott und Zelda Fitzgerald zu beobachten. Die absurde Situation des Zeitreisens erlauben es Allen dabei, seine Dialoge sogar noch eine Spur überdrehter zu gestalten als sonst. Bei alledem kommt jedoch auch die Gegenwart nicht zu kurz, wobei hier besonders Rachel McAdams als zickige Verlobte und Michael Sheen als deren pseudointellektuell-schnöseliger Bekannter positiv hervorzuheben sind.

Rating: ★★★★★★★★½☆ 

3. Dezember 2011 | 2 Kommentare

Review-Adventskalender #2: Winter’s Bone

Cinematze Review-Adventskalender #2

Winter's Bone- “Ain’t you got no men could do this?”
- “No, Ma’am, I don’t.”

“Winter’s Bone” war nicht nur einer der ersten Filme, die ich in 2011 sah, sondern – soviel sei bereits vorangestellt – auch einer der besten. Das raue Neo-Noir-Sozialdrama zeigt die Vereinigten Staaten von einer ihrer wohl trostlosesten Seiten und glänzt mit überragenden Darbietungen von Jennifer Lawrence und John Hawkes, die in meinen Augen bei der Oscar-Verleihung zu Unrecht leer ausgingen. Zumal ich die Filme der Sieger in den jeweiligen Kategorien – “Black Swan mit Natalie Portman als beste Hauptdarstellerin und “The Fighter” mit Christian Bale als bester Nebendarsteller – deutlich schlechter fand. Aber seit dem Oscar für Sandra Bullock im vergangenen Jahr, erwarte ich von der Academy eigentlich ohnehin rein gar nichts mehr.

Zur Story: Die erst siebzehnjährige Ree Dolly lebt zusammen mit ihren beiden jüngeren Geschwistern, um die sie sich aufopferungsvoll kümmert, sowie ihrer psychisch schwer kranken Mutter am absoluten Existenzminimum. Als Vater Jessup – seines Zeichens Meth-Koch und nur auf Kaution auf freiem Fuß – nicht zu einer anberaumten Gerichtsverhandlung erscheint, droht die Familie ihr Dach über dem Kopf zu verlieren, da Jessup das Haus der Dollys als Sicherheit für seine Kaution hinterlegt hat. Überzeugt davon, dass ihr alter Herr nicht einfach untertauchen würde und ihm vielmehr etwas zugestoßen sein muss, begibt sich Ree auf eine verzweifelte Suche voller Gefahren…

Ähnlich wie die empfehlenswerte FX Serie “Justified” ist auch “Winter’s Bone” im tiefsten Süden der USA, genauer gesagt in den abgeschiedenen Wäldern des Ozark-Plateaus in Missouri, angesiedelt. In dieser trostlosen Gegend, fernab von den Geschehnissen der Außenwelt, scheinen sich die Bewohner ihre eigenen Gesetzmäßigkeiten geschaffen zu haben. Hier wird das Bild eines Milieus gezeichnet, welches geprägt ist von allgegenwärtiger Hoffnungslosigkeit und dem zum Teil täglichen Kampf ums Überleben. Karge Blockhütten, ausgebrannte Meth-Labore und eine unwirtliche Mischung aus Geröllfeldern und Waldgebieten – alles gefärbt in ein stetes Grau – dominieren das Landschaftsbild und erzeugen beim Zuschauer ein Gefühl der Einsamkeit.

Diese Einsamkeit spiegelt sich auch in der Protagonistin Ree wieder, die bei der Suche nach ihrem Vater völlig auf sich alleine gestellt scheint und allerorten auf Ablehnung und Feindseligkeit stößt. Zwar sind offenbar alle über mehr oder weniger viele Ecken miteinander verwandt, doch lästige Fragen sind äußerst unwillkommen und mit Störenfrieden wird nicht gerade zimperlich umgesprungen. Blut mag zwar auch hier dicker sein als Wasser, doch definitiv nicht dicker als Crystal Meth.

Authentizität lautet das Schlüsselwort für die seltsame Faszination, die von “Winter’s Bone” ausgeht. Diese rührt unter anderem auch daher, dass Regisseurin Debra Granik vor Ort mit zahlreichen einheimischen Laiendarstellern zusammengearbeitet hat, die tatsächlich ihr Leben in dieser Einöde bestreiten müssen. Hinzu kommt die exzellente Kameraarbeit, welche über die gesamte Länge des Films mit aller Ruhe in der Rolle des stillen Beobachters verharrt und somit die triste Umgebung für sich sprechen lässt. Mitunter könnte man deshalb den Eindruck gewinnen, gerade einem Dokumentarfilm über den Süden der USA und die Missstände der dort anzutreffenden amerikanischen Unterschicht beizuwohnen.

“Veronica Mars” gegen die Hillbillies – so ließe sich “Winter’s Bone” reißerisch umschreiben, wobei das Drama aufgrund der erwähnten Authentizität zu keinem Zeitpunkt Gefahr läuft, stereotyp oder unglaubwürdig zu wirken. Ob Ree’s Suche am Ende in Selbstzerstörung mündet, oder ob – aller Widrigkeiten zum Trotz – ausgerechnet in diesem Ödland die Hoffnung auf eine bessere Zukunft für sie und ihre Familie keimen kann? Diese Frage solltet ihr euch beantwortet lassen, indem ihr euch schleunigst den Film besorgt!

Rating: ★★★★★★★★★☆ 

2. Dezember 2011 | 2 Kommentare

Review-Adventskalender #1: Red State

Cinematze Review-Adventskalender #1
Die Bilder der 24 “Türchen” stammen allesamt von Flickr-User Leo Reynolds und stehen unter einer CC BY-NC-SA 2.0 Lizenz.

Kurz vor Ablauf des ersten Tages im Dezember habe ich es dann doch tatsächlich noch geschafft, das erste Türchen des Cinematze Review-Adventskalenders zu öffnen. Die Intention hinter dem ganzen ist schnell erklärt: Indem ich jeden Tag eine Rezension zu einem von mir in 2011 gesehenen und besonders gemochten Film online stelle, gebe ich euch einerseits die Gelegenheit, auf etwaige verpasste Perlen aufmerksam zu werden. Andererseits entsteht auf diese Weise direkt mein persönliches Best-of des vergangen Filmjahres, so dass ich mir die Liste am Jahresende sparen kann. Win-Win quasi. Oder so.

Red State“I fear God. You better believe I fear God.”

Den Auftakt macht Kevin Smith’s Horror-Thriller “Red State”, der mein persönlicher Eröffnungsfilm der diesjährigen Jubiläumsausgabe des Fantasy Filmfests war (die insgesamt übrigens leider verhältnismäßig schwach ausgefallen ist). Smith zeichnet sich mit “Chasing Amy” für einen meiner absoluten Lieblingsfilme verantwortlich und steht daher auf ewig in meinem Buch der coolen Leute. Mit der Regie-Auftragsarbeit “Cop Out”, die von den Kritikern zerfetzt wurde, schien er sich zuletzt keinen Gefallen getan zu haben, jedoch sagte Smith mal in einem Interview, dass “Red State” ohne die Erfahrungen, die er während des Drehs zu der Action-Komödie mit Bruce Willis und Tracy Morgan gemacht hat, wohl nicht zustande gekommen wäre. Die ersten Reviews zu “Red State” fielen allerdings auch eher verhalten aus, weshalb ich letztlich durchaus mit einer gewissen Skepsis ins Kino ging.

Kurz zur Story: Die drei Teenager Billy-Ray, Jared und Travis folgen einer Internet-Annonce, welche scheinbar unverbindlichen Sex verspricht, sich jedoch ziemlich schnell als Falle entpuppt, die sie in die Fänge der fundamentalen Gemeinde von Pastor Abin Cooper (großartig: Michael Parks) treibt. Der Pastor und seine fehlgeleiteten Schäfchen haben für Promiskuität und auch für Homosexualität nicht allzu viel übrig, was sie den “Sündern” mittels höchst drastischer Maßnahmen schmerzhaft klar machen. Nachdem ein Einsatzkommando des ATF das festungsartige Gelände umstellt hat, kommt es recht schnell zu einem spektakulären Shootout, der eine Vielzahl von Opfern auf beiden Seiten des Zauns fordert…

Anhand der Inhaltsangabe sieht man bereits, dass die Bezeichnung “Horror-Thriller” eher irreführend ist (auch wenn es mitunter sehr blutig zur Sache geht). Der einzige, sehr reale Horror ergibt sich aus der Tatsache, dass die absurd anmutende Geschichte erschreckenderweise nicht allzu realitätsfern ist: Als Vorlage für den Haupt-”Bösewicht” diente Smith wohl Fred Phelps, Oberhaupt der schwulenfeindlichen Westboro Baptist Church. Weitere offenkundige Anleihen stammen von der sogenannten Waco-Belagerung aus dem Jahr 1993.

“Red State” ist stattdessen vielmehr ein vor Zynismus triefender Thriller mit stark satirischem Einschlag. Im Vordergrund steht natürlich die Kritik an religiösem Fundamentalismus, doch auch in Richtung des Staates (Stichworte: Polizeigewalt, Willkür und Machtmissbrauch) teilt der Film gehörig aus. Dabei zeigt sich, dass die Smith typischen Dialoge erstaunlich gut mit der Thematik harmonieren und für einen mitunter bitterbösen schwarzen Humor sorgen, bei dem einem ein ums andere Mal das Lachen im Halse stecken bleibt.

Unter dem Strich ist “Red State” eine vielschichtige Abrechnung mit jedweder Form von Fanatismus, wobei Kevin Smith auf für ihn ungewohntem Genre-Terrain zurück zu alter Stärke findet. Diese Essenz des Films lässt sich am besten mit dem vielleicht wichtigsten Zitat zusammenfassen (welches man guten Gewissens ohne zu spoilern erwähnen kann): “People just do the strangest things when they believe they’re entitled. But they do even stranger things when they just plain believe.”

Meine anfängliche Skepsis war übrigens spätestens nach einer Viertelstunde gänzlich verflogen, als mich die knapp zehnminütige Predigt von Pastor Cooper, welche mir als eine der besten Szenen des gesamten Filmjahres in Erinnerung blieb, voll in ihren Bann zog. Falls ihr euch als zusätzliche Entscheidungshilfe selbst davon überzeugen wollt, findet ihr Michael Park’s Monolog komplett bei YouTube:

Rating: ★★★★★★★★½☆ 

1. Dezember 2011 | 6 Kommentare

Lilyhammer Trailer

Steven Van Zandt aka Silvio Dante als New Yorker Ex-Gangster, den es im Rahmen des Zeugenschutzprogramms auf eigenen Wunsch hin nach Lillehammer verschlägt? Vor meinem geistigen Auge treffen bei dieser Beschreibung “The Sopranos” auf “Fargo”, was ziemlich fantastisch werden könnte. Umso verwunderlicher, dass ich von der im Frühjahr 2012 bei Netflix startenden Serie namens “Lilyhammer” bislang noch so gar nichts gehört hatte. Die erste Staffel wird acht Folgen umfassen, eine zweite Staffel mit gleicher Episodenanzahl ist ebenfalls bereits in trockenen Tüchern.

Frank Tagliano (Steven Van Zandt), is a former member of the New York mob. After testifying in a trial in the United States, Tagliano is relocated to Lillehammer in Norway through the FBI’s witness protection program. Frank Tagliano was intrigued by Lillehammer when he saw television images of the Winter Olympics in 1994, and therefore chooses to start his new life there. The transition from being a feared and respected gangster in New York, to become an unemployed immigrant in Norway, is not simple. Frank discovers that to get up and in the Norwegian rural society, he must resort to the old, ruthless methods.


(via Devour)

25. November 2011 | 1 Kommentar

Charlie Brooker’s “Black Mirror” Trailer

Charlie Brooker, seines Zeichens britischer TV- bzw. Medienkritiker und Macher solch großartiger Formate wie “Dead Set” oder “How TV Ruined Your Life”, geht ab Dezember auf Channel 4 mit einer neuen dreiteiligen Miniserie namens “Black Mirror” an den Start. Beschreibung und Trailer nach zu urteilen, dürfte auch diese wieder gewohnt super werden.

Over the last ten years, technology has transformed almost every aspect of our lives before we’ve had time to stop and question it. In every home; on every desk; in every palm – a plasma screen; a monitor; a smartphone – a black mirror of our 21st Century existence. Our grip on reality is shifting. We worship at the altars of Google and Apple. Facebook algorithms know us more intimately than our own parents. We have access to all the information in the world, but no brain space left to absorb anything longer than a 140-character tweet.

Black Mirror is a contemporary British re-working of The Twilight Zone with stories that tap into the collective unease about our modern world. The three stand-alone dramas are sharp, suspenseful, satirical tales with a techno-paranoia bent.

The episodes:

A twisted parable for the Twitter age, The National Anthem looks at how life is very much harder for the rich and supposedly powerful now that information is disseminated so quickly and public opinion is so loud, powerful and quick to change. It’s a political thriller in which the Prime Minister faces a huge dilemma – and that’s all that can be revealed for now… The cast includes Rory Kinnear and Lindsay Duncan.

Set in a sarcastic version of a future reality, 15 Million Merits is a satire on entertainment shows and our insatiable thirst for distraction. In this world, everyone is confined to a life of strange physical drudgery. The only way to escape this life is to enter the ‘Hot Shot’ talent show and just pray you can impress the judges. The cast includes Julia Davis, Rupert Everett, Daniel Kaluuya and Jessica Brown-Findlay.

In Memoriam (working title), written by Jesse Armstrong, is set in an alternate reality where everyone has access to a system which records everything they do, see or hear. You need never forget a face, a holiday or a night out again… but is that always good thing?


(via Nerdcore)

25. November 2011 | Kommentieren

Kurzfilm: End Of A Scarer

Animierter Kurzfilm mit “Awwwww”-Potential: “End of a Scarer” erzählt die Geschichte eines in die Jahre gekommenen Hollywood-Monsters, welches angesichts der großen Konkurrenz des neuen Stars an Filmhimmel namens “CGI” verzweifelt zu beweisen versucht, dass es sehr wohl immer noch Angst und Schrecken verbreiten kann.


(via Mister Honk)

19. November 2011 | Kommentieren

Album: New Look – New Look

New Look - New Look

Wundervolle Neuentdeckung der vergangenen Wochen: Das kanadische Duo New Look, die Synth-Pop der bezauberndsten Sorte machen und deren Debütalbum gleichen Namens in meiner Jahresbestenliste sicherlich ganz weit vorne zu finden sein wird. Nachfolgend findet ihr die Videos zu den Tracks “Nap On The Bow”, “Numbers” und “The Ballad”. Den Rest des Albums, welches auf !K7 Records erschienen ist, könnt ihr euch bei Grooveshark zu Gemüte führen.

Nap On The Bow

Numbers

The Ballad

(via Sloth Boogie)

19. November 2011 | Kommentieren

Neue Musikvideos #84

Eigentlich wollte ich die Musikvideo-Sammelposts in dieser Form ja einstellen, aber es ist in den vergangenen Tagen einfach zu viel aufgelaufen, daher nun ein weiteres Mal die geballte Ladung mit neuen Videos von Cadillac, Clubfeet, Datarock, Glass Candy, Foster The People, Friendly Fires, The Kills, Niva, Pyramids, Real Estate, Rimar, Slow Magic, Soko, The Sound of Arrows, Summer Camp und Theophilus London.

Cadillac – Endless Summer
♥♥♥

(via Nite Versions)

Clubfeet – Last Words
♥♥

(via Discobelle)

Gimme some more! »

11. November 2011 | Kommentieren

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