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Review-Adventskalender #12: Submarine

Cinematze Review-Adventskalender #12

Submarine“My name is Oliver Tate. I suppose it’s a bit of an affectation, but sometimes I wish there was a film crew following my every move.”

“Submarine” ist das Regiedebüt auf Spielfilmebene von Richard Ayoade, der einigen wohl besser als Über-Nerd Moss aus “The IT Crowd” bekannt sein dürfte. Ich habe ja einen Faible für Coming-of-Age-Filme, und gepaart mit meiner lästigen Neigung, einzig aufgrund eines sehr guten Trailers eine übertrieben hohe Erwartungshaltung zu entwickeln, hatte “Submarine” es nicht gerade leicht mit mir. Dass der Film mich dennoch in vielen Belangen restlos überzeugt und es daher auch in meinen Adventskalender geschafft hat, spricht folglich eindeutig für seine Qualität. Ayoade trifft offenbar erstaunlich mühelos fast zu jedem Zeitpunkt den richtigen Ton und schafft so eine ausgewogene Mischung aus “quirky” Komödie und “teen angst” Drama.

Wir erleben “Submarine” durch die Augen des exzentrischen 15-jährigen Außenseiters Oliver Tate (als der er sich in seiner mitunter verzerrten Selbstwahrnehmung übrigens nicht sieht), der zwei Ziele verfolgt: Er will vor seinem sechzehnten Geburtstag seine Jungfräulichkeit verlieren und darüber hinaus die kriselnde Ehe seiner Eltern kitten. Bei Ziel Nummer eins soll ihm möglichst die von ihm angehimmelte Jordana behilflich sein, welche seinen Avancen offenbar nicht abgeneigt gegenüber steht. Das zweite Ziel zu erreichen scheint da deutlich schwieriger erreichbar, denn die Eheprobleme werden durch den Einzug des ehemaligen Schwarms seiner Mutter in die unmittelbare Nachbarschaft zusätzlich verstärkt…

Die Technik, Coming-of-Age-Geschichten aus dem Blickwinkel des Protagonisten zur erzählen und seine Umwelt dementsprechend subjektiv einzufärben ist sicherlich nicht neu, von Ayoade in “Submarine” jedoch nahezu perfekt umgesetzt. Oliver schwankt stets zwischen frühreifer Coolness und emotionaler Unbeholfenheit, wodurch sein Charakter nie Gefahr läuft, unglaubwürdig oder konstruiert zu wirken. Trotz seiner cleveren Sprüche und altklugen Weisheiten hat er nämlich ein gewaltiges Problem: Zu den Thematiken seiner selbst gesteckten Ziele verfügt er bestenfalls über theoretisches Wissen, was natürlich mehr als einmal zu kuriosen Situationen führt. Auf diese Weise wird auf Seiten des Zuschauers Verständnis sowie stellenweise auch eine gewisse Nachempfindbarkeit erzeugt, was der Figur des Oliver die notwendige Erdung verpasst.

Ein großes Lob gilt dem Casting, denn alle Rollen sind in meinen Augen perfekt besetzt. Neben Craig Roberts als Oliver liefern auch die restlichen Darsteller ausnahmslos eine überragende Leistung ab. Besonders gut gefielen mir dabei Noah Taylor als lethargischen Vaters und Paddy Considine als schräger New-Age-Guru. Doch auch Yasmin Paige als Jordana und Sally Hawkins als Olivers Mutter wissen zu überzeugen. Damit sich nun niemand wundert, wieso ich dem Film bei all dem Lob nicht die Höchstnote verpasst habe, hier noch mein hauptsächlicher Kritikpunkt: Die Coming-of-Age-Story als solche ist nüchtern betrachtet nicht besonders originell, was jedoch angesichts der liebevollen Umsetzung nicht gravierend zu stören vermag.

“Submarine” wirkt, als hätte Michel Gondry ein Mash-up aus “Rushmore” und “Scott Pilgrim vs. the World” verfilmt und sich dabei stilistisch von “Harold and Maude” sowie der französischen Nouvelle Vague inspirieren lassen. Damit habe ich alle auch andernorts oft genannten Referenzen in einem Satz untergebracht, den ich guten Gewissens als abschließendes Fazit so stehen lassen kann. Trotz alledem gelingt es Richard Ayoade, seinen eigenen Stil einfließen zu lassen, und es würde mich nicht wundern, wenn man ihn in nächster Zeit öfter hinter als vor der Kamera findet. Erwähnenswert ist schlussendlich auch noch der formidable Soundtrack, welcher von Arctic Monkeys Frontmann Alex Turner zum Film beigesteuert wurde. Am besten, ihr hört ihn euch direkt im eingebundenen Grooveshark-Player an.

Submarine OST by Matthias Magold on Grooveshark

Rating: ★★★★★★★★½☆ 

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Review-Adventskalender #11: Horrible Bosses

Cinematze Review-Adventskalender #11

Horrible Bosses- “My boss he’s a TOTAL FUCKING ASSHOLE.”
- “My boss she’s a EVIL CRAZY BITCH.”
- “My boss he’s a DIPSHIT COKEHEAD SON.”

“Horrible Bosses” war das Pferd, auf welches ich im Rennen um die beste Mainstream-Sommerkomödie 2011 setzte. Dies lag neben einem gelungenen Trailer vor allem an der Tatsache, dass “King of Kong” Regisseur Seth Rogen im Regiestuhl saß. Der Film stand mehr oder weniger in direkter Konkurrenz zu “The Hangover Part II” (und folglich auch ein wenig im Schatten von selbigem), schließlich drehte sich die Handlung auch hier um die Irrungen und Wirrungen dreier chaotischer Best Buddies. Während sich besagtes Sequel jedoch lediglich als fader Aufguss von Teil eins entpuppte, sollte ich mit meiner Einschätzung Recht behalten und mein Pferd ging schlussendlich mit einem riesigen Vorsprung durchs Ziel.

Die besten Freunde Nick, Dale und Kurt teilen ein gemeinsames Leid: Alle drei werden von ihren Vorgesetzten aufs übelste schikaniert. Nick knechtet unter dem Kommando eines selbstgefälligen Sadisten, Dale wird von seiner psychotisch-nymphomanischen Chefin tagtäglich sexuell belästigt und Kurt muss sich nach dem Tod seines geliebten alten Chefs mit dessen drogensüchtigen, nichtsnutzigen Sohn herumschlagen, der den Familienbetrieb mutwillig in den Ruin zu treiben droht. Eines Abends keimt in den verzweifelten Angestellten der Gedanke, sich ihrer Peiniger mittels eines Auftragskillers zu entledigen…

Ich mache es kurz: Seth Gordon’s Rated-R Komödie gehört mit zum Witzigsten, was ich in diesem Jahr gesehen habe. Die Gründe hierfür sind schnell aufgezählt: Zum einen weiß das Drehbuch mit zahlreichen gelungenen, oft bitterbösen, politisch unkorrekten Gags und Dialogen zu überzeugen (wenngleich natürlich nicht alle funktionieren), zum anderen profitiert “Horrible Bosses” von seinen durch die Bank blendend aufgelegten Darstellern. Die Chemie zwischen den drei Buddies Nick, Dale und Kurt könnte besser nicht sein, und ihre “Gegenspieler” haben sichtlich Freude daran, sich hier einmal hemmungslos von ihrer fiesesten Seite zu zeigen (Kudos an Jennifer Aniston, die sich neben Kevin Spacey und Colin Ferrell erstaunlich wacker schlägt).

In Kombination ergibt dies sicherlich keinen Comedy-Meilenstein, jedoch äußerst unterhaltsame gut anderthalb Stunden, was mehr ist, als die meisten Hollywood-Komödien heutzutage von sich behaupten können. Extrapunkte gibt es übrigens dafür, dass Gordon seinem sympathischen “King of Kong” Helden Steve Wiebe einen Cameo in dem Film verschafft hat (Bonus Fun-Fact: “King of Kong” Antagonist Billy Mitchell diente Colin Ferrell angeblich als Inspiration für die Ausgestaltung seines Charakters).

Rating: ★★★★★★★½☆☆ 

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Review-Adventskalender #10: Hesher

Cinematze Review-Adventskalender #10

Hesher“Life is like walking in the rain: you can hide and take cover or you can just get wet.”

“Hesher” ist das Langfilmdebüt von Spencer Susser, der sich bereits 2008 mit dem fantastischen Kurzfilm “I Love Sarah Jane” die Liebe des Internets (und folglich auch meine) sicherte. Nach zahlreichen Verzögerungen hat es der Film dieses Jahr endlich in die Kinos geschafft und ich war gespannt, ob er meinen äußerst hohen Erwartungen würde genügen können. Aufgrund des Mitwirkens von Joseph Gordon-Levitt und Natalie Portman hatte ich zwar keine allzu großen Bedenken, doch die vielen Querelen im Vorfeld der Veröffentlichung ließen durchaus leise Zweifel aufkommen. Letztlich wurde es nicht der Über-Film, den ich mir erhofft hatte, doch Grund zu Meckern gab es dennoch eher wenig.

Die Mutter des jungen T.J. kam kürzlich bei einem Autounfall ums Leben, was den Teenager und dessen Vater in ein tiefes, depressives Loch stürzen lies. Während der Vater – gelähmt vor Schmerz – jeden Tag in völliger Apathie dahinve­ge­tie­rt und seine Großmutter sichtlich überfordert ist, den Haushalt zu schmeißen und sich um die beiden Trauernden zu kümmern, droht auch T.J. sich gänzlich in seinem Schmerz zu verlieren. Wenn er sich nicht gerade auf dem Schrottplatz in dem Autowrack seiner Mutter aufhält, kanalisiert er seine Wut durch Steinewerfen auf der Baustelle eines halb fertigen Hauses. Dabei trifft er auf den abgefuckten Metalhead Hesher, der dort temporär Domizil bezogen hatte und kurze Zeit später vor T.J.’s Tür auftaucht, um sich unter Androhung von Gewalt gegen dessen Familie dort einzunisten.

Die Prämisse ähnelt ein wenig der von Takashi Miike’s “Visitor Q”: Ein mysteriöser Fremder, dessen Motive zunächst unklar bleiben, tritt urplötzlich in das Leben einer Familie und stellt selbiges gehörig auf den Kopf. Auch im Falle von “Hesher” bringt das Eintreffen des ungebetenen Gasts Veränderungen für alle Beteiligten mit sich: Heavy Metal und Mittelfinger gegen Trauer und Schmerz! Stellenweise wirkt das ganze zwar ein wenig zu konstruiert und over-the-top, doch dank sehr guter schauspielerischer Leistungen wiegt dieser Umstand nicht sonderlich schwer. Hervorzuheben sind dabei vor allem Newcomer Devin Brochu und natürlich Joseph Gordon-Levitt, dessen Hesher von Peter Travers mit dem Satz “He looks and acts like a cross between Jesus and Charlie Manson” perfekt beschrieben wird.

Während ich gestern bei “Super” die Titelsequenz positiv erwähnte, kann “Hesher” mit seinem liebevoll gestalteten Abspann glänzen. Dieser vermittelt ein gutes Gefühl für die Tonalität des Films und kann bei Interesse im eingebundenen YouTube-Video bestaunt werden (frei von Spoilern, allerdings unbedingt erst ab Sekunde 18 anschauen!).

Rating: ★★★★★★★★☆☆ 

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Review-Adventskalender #9: Super

Cinematze Review-Adventskalender #9

Super“Shut up, crime!”

“Special”, “Watchmen”, “Defendor”, “Kick-Ass” – An Filmen mit selbsternannten Superhelden mangelte es in den vergangenen Jahren wahrlich nicht. “Super” von James Gunn, der seine ersten Erfahrungen im Filmgeschäft bei Troma Entertainment sammelte, reiht sich ebenfalls in dieses Subgenre ein und war der beste Film, den ich auf dem diesjährigen Fantasy Filmfest sah (sowie der drittbeste des Jahres insgesamt). Irgendwo zwischen bitterböser schwarzer Komödie, Satire und Drama angesiedelt, weckt der Film in seinen besten Momenten sogar Erinnerungen an Martin Scorseses legendären “Taxi Driver”, und ich frage mich, wie Travis Bickle wohl im selbstgeschneiderten Superheldenkostüm ausgesehen hätte…

Der bemitleidenswerte Loser Frank D’Arbo hatte laut eigener Aussage erst zwei perfekte Momente in seinem Leben: Als er einem Polizisten den Fluchtweg eines Verbrechers mitteilen konnte und der Tag, an dem er sich mit seiner attraktiven Frau Sarah – einer ehemaligen Drogenabhängigen – vermählte. Als diese wieder in den Drogensumpf abrutscht und ihn für den schmierigen Dealer und Strip-Club-Besitzer Jacques verlässt (bzw. ihm seiner Ansicht nach von diesem gestohlen wird), brennt bei ihm so manche Sicherung durch. Nach einer ersten Phase des Selbstmitleids reift in ihm – beeinflusst von der bizarren Figur des “Holy Avenger” eines christlichen TV-Senders – der absurde Gedanke, Gott höchstpersönlich habe ihn auserwählt, um als Superheld “Crimson Bolt” das Böse zu bekämpfen. Unterstützung erhält er dabei von der nicht minder durchgeknallten Comic-Verkäuferin Libby, die sich ihm als Sidekick “Boltie” aufdrängt.

Wer aufgrund dieser Beschreibung nun lediglich eine weitere Selfmade-Superhelden-Komödie für Nerds erwartet, der liegt zumindest teilweise daneben. Zwar kommt der Humor nicht zur kurz, doch “Super” wechselt während seiner anderthalb Stunden allzu oft die Richtung, um sich abschließend auf ein Genre festnageln zu lassen. In einem Moment haben wir Mitleid mit dem gebeutelten Frank, im nächsten amüsieren wir uns darüber, wie er mit einer Rohrzange auf Drängler an der Kinokasse losgeht, doch das Lachen bleibt uns noch in der selben Szene im Halse stecken, ob der Brutalität und ungeschönten Gewalt, mit welcher dies filmisch eingefangen wird. Im Gegensatz zum ebenfalls nicht gerade zimperlichen “Kick-Ass” wird hier der Härtegrad noch weiter in die Höhe geschraubt, da dem Film das comichaft Überzeichnete nahezu gänzlich abgeht, was zu einem deutlich düstereren Ergebnis führt.

Ein großes Kompliment muss man neben Rainn Wilson, der die Wandlung des Protagonisten vom liebenswürdigen Loser zum gewalttätigen Selbstjustizler mit verzerrter Realitätswahrnehmung (sicherlich keine leichte Aufgabe) glaubhaft vermittelt, vor allem Ellen Page machen. Diese hat sichtlich Freude daran, aus ihrer Juno-Persona auszubrechen und mimt Libby/Boltie als ausgewachsene Psychopathin, die sogar noch verrückter und skrupelloser zu sein scheint, als der verblendete Frank. Gepaart mit seinem betonten Realismus dekonstruiert “Super” anhand dieser beiden Spinner die romantische Vorstellung des Superheldentums, indem er aufzeigt, wie grotesk die Vorstellung ist, ein prägnanter Spitzname, ein schlecht genähtes Kostüm und ein ausgeprägter Hang zu als Wohltätigkeit missverstandener Soziopathie würden in der Summe zu weltverbesserischen Aktivitäten befähigen.

Gunn selbst sagt von “Super”, dass er das Drehbuch von Beginn an als “arthouse/grindhouse film” sah und das Endprodukt als “fucked-up, low-rent Watchmen”. Kann man so stehen lassen, denke ich. Ganz nebenbei kann der Film auch noch mit der besten Titelsequenz des Jahres punkten, die ich euch an dieser Stelle nicht vorenthalten möchte:

Rating: ★★★★★★★★★½ 

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Review-Adventskalender #8: Super 8

Cinematze Review-Adventskalender #8

Warnung: Das Review kommt diesmal nicht ganz ohne kleinere Spoiler aus, die jedoch meiner Ansicht nach den Filmgenuss nicht trüben (und ich bin in dieser Hinsicht ja extrem empfindlich).

Super 8“Production Value!”

Das erste Kompliment konnte ich Regisseur und Viral Marketing Wizard J.J. Abrams bereits im Vorfeld zu “Super 8″ aussprechen: Ähnlich wie schon bei “Cloverfield” (den ich übrigens mochte) schaffte er es vorab einen derartigen Hype zu generieren, dass ich den Start dieses Films herbeigesehnt habe wie keinen zweiten in diesem Jahr. Entsprechend groß hätte die Enttäuschung ausfallen können, wäre das ganze in die Hose gegangen, doch “Super 8″ ist mit Abstand der beste Mainstream-Film und Sommer-Blockbuster in 2011. Zwar ist er keineswegs frei von den Problematiken, die den beiden Schlagworten für gewöhnlich anheften, doch fallen diese bei weitem nicht so stark ins Gewicht wie bei anderen Vertretern der Gattung.

Zum Inhalt: Sommer 1979 in einer Kleinstadt irgendwo in Ohio: Joe, der Sohn des lokalen Sherriffs, der erst kürzlich seine Mutter durch einen tödlichen Arbeitsunfall verloren hat, will in den Sommerferien gemeinsam mit einigen weiteren Jungs sowie der umschwärmten Alice den Zombiefilm seines besten Freundes Charles drehen. Als sie hierfür eines Nachts verbotenerweise eine Szene an einem alten Bahnhof außerhalb der Stadt filmen, werden sie Zeuge eines spektakulären Zugunglücks. Wie durch ein Wunder übersteht die Bande den Crash unversehrt, doch nachdem sich der Staub gelegt hat, dröhnt ein furchterregendes Hämmern aus einem der Waggons. Lange können sich die Kids damit jedoch nicht aufhalten, denn kurz darauf müssen sie die Flucht vor dem eintreffenden Militär antreten. Charles Super 8 Kamera lief allerdings die ganze Zeit über weiter und hat einige schockierende Bilder eingefangen…

Spoiler (sort of): Es dürfte jedem klar sein, dass in dem Zug keine 1000 niedlichen Hundebabies eingesperrt waren, sondern irgendeine monströse und ziemlich angepisste Kreatur. Damit wären dann auch bereits die beiden wesentlichen Handlungsstränge abgesteckt. Zum einen gibt es die Geschichte rund um die jugendliche Freundesgruppe, zum anderen den Sci-Fi-Part des ausgebüchsten Monsters. Das größte Problem des Films besteht darin, dass er es bis kurz vor Schluss nicht schafft, diese zwei Erzählungen sinnvoll und stimmig miteinander zu verknüpfen, weshalb das Ende einmal mehr übers Knie gebrochen und unglaubwürdig wirkt. Allerdings vermag dieser Fauxpas die vielen positiven Aspekte der vorangegangen Laufzeit nicht nachhaltig zu mindern.

Selbst wenn der Name Steven Spielberg (den Abrams als Vorbild angibt und der von ihm als Produzent gewonnen werden konnte) nicht vom Plakat prangen würde: Die Homage an dessen Klassiker “The Goonies” und “E.T.”, oder auch an weitere Filme von ähnlichem Schlag wie “Stand By Me”, ist unverkennbar. Wären nicht die mitunter übertriebenen, zu gleichen Teilen dem Zielpublikum und den eigenen Ansprüchen geschuldeten Effekte, man könnte glatt den Eindruck gewinnen, “Super 8″ damals ebenfalls an einem dieser Sonntagnachmittage auf dem Sofa der Großeltern gesehen zu haben. Dies verdankt der Film zum Großteil den überragenden Jungdarstellern, die allesamt den authentischen Charme der besagten 80er-Jahre Vorbilder versprühen, ohne dabei wie bloße Kopien zu wirken. Joe, Charles, Alice und Co. brauchen sich keinesfalls hinter einem Chunk, einem Elliot oder einem Gordie Lachance zu verstecken! Unterstützung erhalten sie von einem sehr guten Drehbuch, dass sich genügend Zeit für seine Charaktere nimmt.

“Super 8″ schafft somit das, was vielen anderen Blockbustern heutzutage meist misslingt: Er involviert die Zuschauer emotional in das Geschehen, indem er eine Beziehung zwischen ihnen und seinen Figuren aufbaut und uns stets mit diesen mitfiebern lässt. Ein Umstand, der dazu führt, dass auch die eher lahme, teils deplatziert wirkende Story um die mysteriöse Kreatur wohlwollend in Kauf genommen wird.

Rating: ★★★★★★★★☆☆ 

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Review-Adventskalender #7: X-Men: First Class

Cinematze Review-Adventskalender #7

X-Men: First Class- “We have it in us to be the better men.”
- “We already are.”

Die X-Men Franchise wies in den vergangenen Jahren eine erstaunlich hohe Parallelität zu einer weiteren Marvel-Filmreihe auf, nämlich zur Spider-Man Trilogie: Teil 1 war gut, Teil 2 sehr gut und Teil 3 miserabel, was jeweils dazu führte, dass ein Reboot der Franchise beschlossen wurde. Der einzige Unterschied besteht darin, dass bei den X-Men noch eine kleine Extra-Grausamkeit namens “Origins: Wolverine” dazwischen geschoben wurde. Mit “X-Men: First Class” von “Kick-Ass” Regisseur Matthew Vaughn ist besagter Reboot nun erfolgt und ich kann festhalten: Wenn Marc Webb mit “The Amazing Spider-Man” ein ähnlich gelungenes Resultat abliefert, dürfen sich alle Fans der freundlichen Spinne aus der Nachbarschaft bereits auf kommenden Sommer freuen.

“X-Men: First Class” ist Anfang der sechziger Jahre zur Zeit der Kubakrise angesiedelt und handelt – wie der Titel bereits andeutet – von den Anfängen der X-Men und der Bruderschaft der Mutanten. Professor Charles Xavier und Eric Lehnsherr, die späteren Professor X und Magneto, entdecken gerade erst das Potential ihrer Kräfte und kämpfen damals noch gemeinsam im Auftrag der misstrauischen US-Regierung gegen Sebastian Shaw, der die Kubakrise gezielt heraufbeschworen hat um auf diese Weise das ultimative Ziel eines jeden Superschurken zu erreichen: die gute alte Weltherrschaft.

Dabei ist die größte Stärke von “X-Men: First Class” zugleich auch seine größte Schwäche: Im Grunde könnte der Film genauso gut “X-Men Origins: Professor X & Magneto” heißen, denn die zahlreichen weiteren Mutanten bleiben – vor allem wenn man sie nicht bereits aus den Comics kennt und entsprechend einordnen kann – großteils sehr blass und austauschbar. Lediglich Jennifer Lawrence als Raven/Mystique, Nicolas Hoult als Hank/Beast und January Jones als Emma Frost gelingt es, ihren Figuren eine gewisse Tiefe zu verleihen und mir somit positiv in Erinnerung zu bleiben. Den Rest hatte ich bereits nach Filmende direkt wieder vergessen. Im Vordergrund steht ganz klar die Charakter- und Beziehungsentwicklung der beiden einstigen engen Freunden und späteren verbitterten Gegner.

Ein besonderes Lob gebührt dabei James McAvoy und Michael Fassbender, die mit ihrer Leinwandpräsenz und Chemie in den gemeinsamen Szenen dafür sorgen, dass man der erstaunlich action-armen Comic-Verfilmung (eine willkommene Überraschung angesichts des Overkills in “The Last Stand”) ihre zweistündige Dauer zu keinem Zeitpunkt anmerkt. Ähnlich charismatisch tritt auch Kevin Bacon als Widersacher der beiden auf, der die Figur des Sebastian Shaw stark überzeichnet und an der Grenze zur Lächerlichkeit spielt, jedoch ohne diese feine Linie jemals zu überschreiten. Kritisch anzumerken bleibt in diesem Zusammenhang das Ende, welches angesichts des sorgsam aufgebauten Beziehungsgeflechts zwischen Charles und Eric überhastet wirkt und sichtlich bemüht ist, alle Figuren auf ihren von der Story vorbestimmten Pfad zu führen (was teilweise mehr wie ein unsanftes Stoßen rüberkommt).

Zu guter Letzt möchte ich noch erwähnen, dass der Film eine der wohl lustigsten Szenen des gesamten Filmjahres enthält, die alleine es schon wert ist, ihn gesehen zu haben.

Rating: ★★★★★★★½☆☆ 

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Review-Adventskalender #6: 50/50

Cinematze Review-Adventskalender #6

50/50“If you were a casino game, you would have the best odds.”

Gestern war Nikolaus und zu diesem Anlass gibt es ein besonders großes Türchen: Das Review zu “50/50″ von Jonathan Levine, dem zweitbesten Film, den ich in diesem Jahr sah und der bezeichnenderweise noch nicht einmal einen Starttermin für Deutschland hat. In solchen Fällen macht es sich bezahlt, nahe der französischen Grenze zu wohnen und auch schon mal nach Strasbourg ins Kino fahren zu können. Levine dürfte hierzulande den wenigsten bekannt sein, was Schade ist, gehen doch der unterschätzte Teenie-Slasher “All The Boys Love Mandy Lane” und die großartige 90s Hommage “The Wackness” auf sein Konto. Vielleicht ändert sich dies mit “50/50″, denn viele sehen den Film als Geheimtipp für die ein oder andere Oscar-Nominierung. Ich wüsste auch gleich drei Kategorien, in denen er es ohne Frage verdient hätte.

Eine detaillierte Inhaltsangabe spare ich mir dieses Mal, man muss eigentlich nur wissen, dass der Film von einem Endzwanziger namens Adam handelt, der unerwartet mit Krebs diagnostiziert wird und diesen Schicksalsschlag gemeinsam mit seinem besten Freund Kyle zu bewältigen versucht. Nun mag der ein oder andere an dieser Stelle vielleicht denken, dass eine Komödie über einen Typen mit Krebs, in der auch noch der für seinen derben Klamauk bekannte Seth Rogen mitspielt, von vornherein zum Scheitern verurteilt sein muss. Ich kann Zweiflern jedoch versichern, dass eine solche Annahme zwar durchaus legitim, jedoch völlig unbegründet ist. “50/50″ umschifft gekonnt sämtliche potentiellen Fettnäpfchen seines ernsten Sujets und ist zu keinem Zeitpunkt unangemessen albern, überbordend kitschig oder gar geschmacklos. In erster ist es ein Film mit sehr viel Herz und Ehrlichkeit, was der Zuschauer über die gesamte Laufzeit zu spüren bekommt.

Ein Umstand, der nicht von ungefähr kommt, denn “50/50″ ist für einige der Beteiligten auch eine persönliche Herzensangelegenheit: Er basiert auf den Erfahrungen des Drehbuchautors Will Reiser, der seinen eigenen Kampf gegen den Krebs auf diese Weise verarbeitete. Seth Rogen ist im wahren Leben ein enger Freund Reisers, weshalb er sich quasi mehr oder weniger selbst spielt (und in meinen Augen die beste Leistung seiner bisherigen Karriere zeigt). In weiteren Nebenrollen glänzen Anjelica Huston, deren betontes Overacting perfekt zu Adams überbesorgter Mutter passt, sowie die stets bezaubernde Anna Kendrick als seine erst 24-jährige Psychologin. Den größten Anteil am Gelingen des Films hat jedoch Joseph Gordon-Levitt, der seinen Status als einer der besten und vielseitigsten Schauspieler seiner Generation eindrucksvoll untermauert. Scheinbar mühelos und oftmals nur durch eine subtile Änderung seiner Mimik, verleiht er Adam die nötige Komplexität eines Charakters, der sich auf einer emotionalen Achterbahnfahrt befindet, wobei Levitt bei jedem dieser höchst unterschiedlichen Gefühlszustände stets den Nagel auf den Kopf trifft.

Dies trägt dazu bei, dass statt der Krankheit vielmehr die Person Adam im Vordergrund steht: “50/50″ ist keine Geschichte über Krebs, sondern eine Geschichte über einen liebenswerten, normalen jungen Mann, der an Krebs erkrankt ist und über die Art und Weise, wie er und sein Umfeld mit dieser Tatsache umgehen. Dabei meistert der Film mit Bravour der Spagat zwischen Drama und Komödie, was vornehmlich den sorgfältig ausgearbeiteten Charakteren gepaart mit den hervorragenden schauspielerischen Leistungen geschuldet ist. So, liebe Academy, und nun bitte Oscar-Nominierungen für Anna Kendrick als beste Nebendarstellerin, für Joseph Gordon-Levitt als bester Hauptdarsteller und natürlich für “50/50″ als bester Film. Danke.

Rating: ★★★★★★★★★½ 

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Review-Adventskalender #5: True Grit

Cinematze Review-Adventskalender #5

Anmerkung: Das mit den verspäteten Türchen wird vermutlich noch öfter vorkommen, denn der Adventskalender gestaltet sich zeitintensiver als ich dachte. Ich garantiere jedoch, dass an Heilig Abend alle 24 Reviews im Blog zu finden sein werden. ☺

True Grit“You must pay for everything in this world, one way and another. There is nothing free, except the grace of God.”

Nachdem ich zuletzt von “A Serious Man” ziemlich enttäuscht war, schaffen es die Gebrüder Coen mit “True Grit” diesmal auch nur deshalb auf meine Jahresbestenliste, da so ein Adventskalender bekanntlich 24 Türchen hat, womit auch Platz für einige nicht ganz so herausragenden Filme bleibt. Objektiv betrachtet gibt es an dem Western kaum etwas auszusetzen: Die Darsteller, allen voran die fantastische Neuentdeckung Hailee Steinfeld, sind gut aufgelegt (Jeff Bridges als chronisch nuschelnder Marshall Rooster Cogburn vielleicht stellenweise sogar zu gut), die Coen’schen Dialoge sind gewohnt pointiert und treffsicher, Inszenierung und Kamera sind über jeglichen Zweifel erhaben. Dennoch hinterließ der Film beileibe nicht einen derart prägenden Eindruck bei mir, wie seinerzeit etwa Miller’s Crossing oder Fargo.

Zum Inhalt: Der Vater der erst 14-jährigen Mattie Ross wurde von einem Tagelöhner names Tom Chaney kaltblütig ermordet, woraufhin das Mädchen erbitterte Rache geschworen hat. Sie wirbt den abgehalfterten Marshall Rooster Cogburn an, der ihr bei der Suche nach dem Mörder behilflich sein soll. Zu dem ungleichen Paar stößt darüber hinaus noch der Texas Ranger LaBoeuf hinzu, der aufgrund eines weiteren Mordes hinter Chaney her ist. Zu dritt nehmen sie die Verfolgung auf…

Es sei vorangestellt, dass ich weder die Literaturvorlage, noch das 1969er Original kenne, für das John Wayne damals übrigens seinen einzigen Oscar erhielt. Insofern konnte ich die 2010er Variante von “True Grit” mit einer größtmöglichen Unbefangenheit angehen. Meine Vermutung ist, dass der Ausgangsstoff, an den sich die Coens angeblich sehr genau hielten, offenbar bereits nicht viel Substanz bietet, denn in Sachen Story passiert während der gesamten 110 Minuten Laufzeit nicht allzu viel. Stattdessen punktet der Film mit großartigen Bildern und atemberaubenden Landschaftsaufnahmen, der nötigen charakterlichen Tiefe seiner Figuren, die sie über gängige Western-Stereotypen hinaus gehen lässt sowie – natürlich – mit den Dialogen.

Hierin wird auch schon mein im Grunde genommen einziger, doch leider recht schwerwiegender Kritikpunkt deutlich, der vermutlich sogar ein wenig unfair ist. Es handelt sich nun mal um einen Coen-Film und dabei denke ich eben nicht in erster Linie an exzellentes Handwerk, sondern an das Schräge, das Absurde, das Überraschende, welches sich für gewöhnlich in ihren Arbeiten findet. An manchen Stellen wird dies zwar angedeutet und der Film wird zu einer Art Mashup, indem er den Balanceakt zwischen Screwball-Komödie und klassischem Western wagt. Letzten Endes bleibt “True Grit” jedoch für meinen Geschmack schlicht zu glatt.

Dies mag nun alles schlechter klingen, als der Film tatsächlich ist, daher möchte ich dieses Review mit folgendem versöhnlichen Zitat von Roger Ebert schließen: “I’m surprised the Coens made this film, so unlike their other work, except in quality.” Wer das Genre mag und nicht ganz so kritisch ist wie ich, wenn es um die Filme der Coen Brüder geht, der darf die Wertung durchaus höher ansetzen.

Rating: ★★★★★★★½☆☆ 

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Review-Adventskalender #4: The Innkeepers

Cinematze Review-Adventskalender #4

The Innkeepers

“You mustn’t go down into the basement.”

Mit etwas Verspätung öffnet sich nun Türchen Nummer vier, hinter dem sich mein Review zu “The Innkeepers” verbirgt. Bevor es losgeht noch eine Warnung: Schaut euch unter keinen Umständen den Trailer an, denn dieser ist ein einziger fieser Spoiler für nahezu alle schaurigen Szenen inklusive des Endes! Dem Film, der selbst in den USA erst im kommenden Jahr offiziell in die Kinos kommt, wird hierzulande wohl das unrühmliche Direct-to-DVD-Schicksal blühen, weshalb es um so wichtiger ist, auf diese kleine Gruselperle hinzuweisen. Regisseur Ti West sorgte vor zwei Jahren mit “House of the Devil”, seiner Verneigung vor dem Horrorkino der 80er Jahre, völlig zu Recht für gehöriges Aufsehen unter Horror-Fans, weshalb die Erwartungen an sein nächstes Projekt entsprechend hoch waren. Würde er sich als neuer Hoffnungsträger in diesem gebeutelten Genre etablieren können? Spoiler: Für mich lautet die Antwort hierauf eindeutig “ja”, denn er hat mit “The Innkeepers” mal eben den besten Horrorfilm dieses Jahres aus dem Ärmel geschüttelt.

Zum Inhalt: Die perspektiv- und ambitionslosen Hotelangestellten Claire und Luke haben gemeinsam Dienst am letzten Wochenende des alten Hotels “Yankee Pedlar Inn”, das seine besten Tage längst hinter sich hat und deswegen vor der Schließung steht. Während ihr Chef sich im Urlaub vergnügt, vertreiben sich die beiden ihre Zeit hauptsächlich mit der Suche nach dem Geist von Madeline O’Malley, die sich einst in diesem Hotel das Leben nahm und seither – so will es die Legende – nicht zur Ruhe kommt und durch die Korridore spukt. Zunächst haben die beiden damit nur wenig Erfolg, doch nach und nach mehren sich die seltsamen Ereignisse und als dann auch noch zwei eher seltsame Gäste einchecken, ist es plötzlich ganz schnell vorbei mit ihrer Langeweile…

“Clerks” meets “The Shining” – Diese auf den ersten Blick eher absurd anmutende Kombination ist nicht auf meinem Mist gewachsen, sondern dient bereits im Programmheft zur Beschreibung des Films und tatsächlich musste ich im Kinosaal mehrmals an die beiden genannten Referenzen denken. Zwar mögen sie inkompatibel wirken, doch genau deshalb passen sie hervorragend zu “The Innkeepers”, in dem Ti West gekonnt Slacker-Komödie mit klassischer Gruselmär vereint. Er erweist sich dabei als formidabler Geschichtenerzähler und zeichnet die beiden Hauptfiguren derart liebenswert, dass man regelrecht hofft, es möge ihnen nichts zustoßen. Besonders Sara Paxton als niedlich-naive Claire war die Gunst des Publikums in der von mir besuchten Vorstellung von Beginn an Gewiss.

Es macht einfach Spaß, Claire und Luke bei ihrem Treiben im Hotel zu beobachten, was neben den cleveren Dialogen auch zu einem nicht unwesentlichen Teil an der perfekten Chemie der Darsteller liegt. Doch immer dann, wenn der Film Gefahr läuft sein eigentliches Genre allzu sehr aus den Augen zu verlieren, streut West eine Szene ein, die auf subtile Art und Weise ein oftmals nicht näher definierbares Unbehagen beim Zuschauer weckt. Somit wird unaufdringlich aber konstant eine bedrohliche Atmosphäre aufrecht erhalten, die dafür sorgt, dass es nicht unpassend wirkt, wenn im letzten Drittel der Horror vehement in den Vordergrund tritt. Mit dieser betonten Gemächlichkeit setzt der Regisseur ein deutliches Zeichen gegen den inflationären Einsatz der ewig gleichen Strickmuster im Horror-Genre, wie Torture-Porn, Found-Footage oder der stete Remake-Wahn.

Statt literweise Blut, CGI-Overkill, hektischer Schnitte und Wackelcam gibt es sarkastisch-witzige Dialoge, ruhige Kamerafahrten, helle Settings, warme Farben und klassischen Oldschool-Grusel (wobei sich West ein paar klischeehafte “Jump Scares” nicht verkneifen kann). Käme das Ende nicht nicht so überhastet und unausgegoren daher (wie auch schon bei “House of the Devil”), es wäre mindestens noch ein Stern mehr drin gewesen!

Rating: ★★★★★★★★☆☆ 

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Review-Adventkalender #3: Midnight In Paris

Cinematze Review-Adventskalender #3

Midnight in Paris“That’s what the present is. It’s a little unsatisfying because life is unsatisfying.”

Paris, mon amour. Dies trifft auf mich leider nicht zu, denn obwohl ich der französischen Hauptstadt bereits mehrere Besuche abgestattet habe, konnte oder wollte sie mich bislang nie so recht in ihren Bann ziehen. Dank Woody Allen’s aktuellem Film “Midnight In Paris” bin ich jedoch fest entschlossen, der malerischen Seine-Metropole in absehbarer Zukunft eine weitere Chance zu geben. Nachdem ich mit “Whatever Works” und “You Will Meet a Tall Dark Stranger” die beiden letzten Filme des Regiealtmeisters ausgelassen hatte, war es in diesem Jahr mal wieder an der Zeit für eine seiner auf Zelluloid gebannten Gratwanderungen zwischen Melancholie und Neurose.

Zum Inhalt: Der mit seinem Job unzufriedene Hollywood-Drehbuchautor Gil – ein verträumter Nostalgiker und Romantiker, der eigentlich viel lieber ernstzunehmender Schriftsteller wäre – verbringt mit seiner Verlobten Inez den gemeinsamen Urlaub in Paris. Während er sofort gänzlich eingenommen ist vom Zauber, den die Stadt versprüht, hat Inez derweil wenig Verständnis für seine ständigen Schwärmereien (sie ist mehr so der Shopping-Typ) und tut diese als verquere Fantasien ab. Diese grundverschiedenen Auffassungen führen dazu, dass Gil sich eines Nachts alleine durch die Straßen treiben lässt und dabei eine Taxifahrt unternimmt, die sich als märchenhafte Reise in das Paris der zwanziger Jahre entpuppt, wo er auf all seine Idole aus Kunst und Literatur trifft. Eine Reise, die er fortan Nacht für Nacht wiederholt…

“Midnight In Paris” ist vor allem zwei Dinge: Zum einen ist der Film eine liebevolle Hommage an die Stadt der Lichts aus der verklärten Sicht eines Regisseurs, in dem ein ebensolcher naiver Träumer steckt, wie er in seinem Protagonisten zum Ausdruck kommt. Paris ist nach London und Barcelona der dritte Stop auf Allen’s Städtetrip durch Europa, und es ist die erste Stadt, der eine den Schauspielern nahezu gleichberechtigte Rolle zukommt – ganz so wie damals seinem heiß geliebten New York City. Zum anderen ist der Film auf den ersten Blick eine Ode an den Eskapismus, an die Flucht aus der Gegenwart des Alltags mit all seinen nervigen kleinen und großen Problemen in eine längst vergangene, doch offenbar soviel bessere, fast schon magische Zeit.

Doch an dieser Stelle bleibt der Film keineswegs unreflektiert, denn so verlockend der “Früher war alles besser”-Gedanke auch sein mag, muss man sich letztlich doch eingestehen, dass es stets eine idealisierte Version der Vergangenheit ist, die man für erstrebenswerter als das Hier und Jetzt erachtet. “It’s a big trap to think living in an earlier time would be better. There’s no time but right now. It sounds seductive, but it’s a trap.” gestand Allen nach der Premiere in Cannes. Für den geneigten Zuschauer ist es jedoch eine wahre Freude, dem von Owen Wilson mit Perfektion gespielten Gil bei seinen nächtlichen Erlebnissen mit Ernest Hemingway, Pablo Picasso oder Scott und Zelda Fitzgerald zu beobachten. Die absurde Situation des Zeitreisens erlauben es Allen dabei, seine Dialoge sogar noch eine Spur überdrehter zu gestalten als sonst. Bei alledem kommt jedoch auch die Gegenwart nicht zu kurz, wobei hier besonders Rachel McAdams als zickige Verlobte und Michael Sheen als deren pseudointellektuell-schnöseliger Bekannter positiv hervorzuheben sind.

Rating: ★★★★★★★★½☆